Fahrbericht

Die mid-Zeitreise: Test Yamaha FZR 1000: Volkssport

  • Motor-Informations- Dienst (mid)
  • In FAHRBERICHTE
  • 19. Mai 2021, 10:45 Uhr
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mid Groß-Gerau - Die Yamaha FZR 1000 bietet im Jahr 1991 zum Preis von 18.500 DM erschwinglichen Motorradsport und kann daher im besten Sinn als Volkssportler gelten. Archiv Motor-Informations-Dienst (mid)

Am 2. April 1991 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 36. Jahrgang über die Yamaha FZR 1000.


Am 2. April 1991 berichtete der Motor-Informations-Dienst (mid) im 36. Jahrgang über die Yamaha FZR 1000.

Moderne Motorräder überzeugen durch ihre ausgereifte Technik. Da wäre zum Beispiel die Yamaha FZR 1000: Ein Aluminiumrahmen, eine Upside-Down-Telegabel, ein mit fünf Ventilen pro Brennraum und anderen Finessen gesegneter Motor oder ein neuartiger DE-Produktionsscheinwerfer sind technische Highlights des Sportlers.

Zugegeben, 74 kW beziehungsweise 100 PS bei 9.500 U/min aus 1.003 ccm Hubraum sind schon lange nichts Besonderes mehr. Aufhorchen lässt da schon eher der maximale Drehmomentwert, dessen gut 88 Newtonmeter bereits bei 5.250 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung stehen. Doch wer den wassergekühlten Reihen-Vierzylindermotor - auch in seiner 74 kW-Drosselversion - einmal gefahren hat, wird ihm trotzdem eine Ausnahmestellung unter den Motorrad-Aggregaten einräumen.

Während der problemlosen Kaltstart- und der anschließenden kurzen Warmlaufphase stört nur der ungünstig positionierte Choke, der besser am Lenker als unten links am Verkleidungsteil angebracht wäre. Bereits bei erhöhter Leerlaufdrehzahl nimmt die Yamaha willig Gas an. Man spürt bereits bei niedrigen Drehzahlen, dass die Maschine vorwärts will. Dies ist dem Drehmomentverstärkenden EXUP-System, das via elektronischer Walze den Abgasdruck im Auspuff optimiert zu verdanken.

Kraftvoll und stetig dreht der leicht modifizierte Fünfventiler hoch und höher, beim Ausdrehen der Gänge werden 11.000 U/min schnell erreicht. Erst die geballten Luftmassen als natürliches Hindernis gebieten dem Vorwärtsdrang der Tausender Einhalt. Tief auf den Tank gelegt, erreicht der FZR-Biker hinter der schmalen Vollverkleidung dann die Endgeschwindigkeit von 240 (Tacho-) km/h.

Nicht unerwähnt bleiben darf die gehobene Laufkultur. Vibrationen sind ansatzweise nur im Bereich von 4.000 Touren zu spüren, kein Kribbeln in den Lenker-Enden. Da man mit der FZR regelmäßig etwas schneller unterwegs ist, kann ein durchschnittlicher Benzinverbrauch von gut sieben Litern bleifrei auf 100 Kilometer als angemessen gelten. Der 19-Liter-Tank und der elektrische Reservebenzinhahn erlauben 250 Kilometer Fahrspaß ohne Tankpause. Das etwas hart, aber präzise zu schaltende Fünfgang-Getriebe harmoniert in seinen Abstufungen mit den 100 PS.

Ein solcher Edelmotor bedarf natürlich eines entsprechenden Fahrwerkes. Und auch hier überzeugt die FZR 1000, die jetzt einmal mehr seit ihrem Debüt im Jahre 1987 modellgepflegt wurde. Der erste Fahreindruck bestätigt sich auch im Hochgeschwindigkeitsbereich. Wie an der Schnur gezogen zieht die Yamaha ihre Bahn auch durch schnelle Autobahnkurven. Keine Lenkerunruhe, kein leichtes Rühren in der Hinterhand, nichts macht sich nachteilig bemerkbar. Die Federung der Kettenmaschine agiert dabei sportlich straff, aber nicht zwangsläufig unbequem. Speziell lange Bodenwellen werden gut kompensiert, während man auf Landstraßen niedrigerer Ordnung die Verstellmöglichkeiten des hinteren Federbeins gerne in Anspruch nimmt.

Sportliches Kurvenfahren erfordert gewisse Fahreraktivitäten. Die breitbereifte (130/60 vorne und 170/60 hinten) FZR will in die Schräglage hineingeführt werden. Und zwar mit Zug am Lenker und mit mehr oder weniger aufwändigen Gewichtsverlagerungen für schnelle Kurven und Schräglagenwechsel. Der Dank dafür: eine entsprechende Handlichkeit und eine hohe Lenkpräzision. Der Fahrspaß stellt sich schnell ein.

Auf die sportliche Sitzposition muss man sich da gegebenenfalls schon mehr einstellen. Die Lenkerstummel liegen tief und weit vorne und die Fußrasten schräglagenfreundlich hoch hinten. In Verbindung mit der Tanklinie verlang die Yamaha so nach einem Fahrer mit langen Armen und kurzen Beinen. Oder nach entsprechender Kompromissbereitschaft bei langsamer Gangart und ausgedehnteren Fahrten. Die Aerodynamik der Verkleidung ist für geduckt-liegende Biker konzipiert, normalsitzende stufen den Windschutz als bescheiden ein. Das Urteil einer Sozia bezüglich des Beifahrer-Komforts fällt indes noch bescheidener aus.

Doch wichtiger ist bei einem Sportler ja ohnehin die Bremsanlage. Und hier trumpft die FZR noch einmal auf. Die gewaltige Doppelscheibe vorne und die Scheibenbremse hinten bieten enorme Bremsleistungen. In Sachen Ausstattung missfällt die mangelhafte Sicht in den kurz ausgelegten Spiegeln. Der neue DE-Projektionsscheinwerfer spendet ein superhelles Licht, aber nur in einem bestimmten, wenn auch zufriedenstellend großen Bereich. Man vermisst das Streulicht links und rechts.

Fazit: Die Yamaha FZR 1000 bietet zum Preis von 18.500 DM erschwinglichen Motorradsport und kann daher im besten Sinn als Volkssportler gelten.

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