Fahrbericht

Hyundai-Stromer im Kurvenräuber-Test

Elektroautos sind starke Sprinter. Vor allem in der ersten Sekunde lassen sie jeden Verbrenner stehen. Das unmittelbare Ansprechverhalten des Motors auf die Stromzufuhr hat Einfluss aufs Fahrzeug-Handling. Der Motor-Informations-Dienst (mid) macht auf dem Bilster Berg in Bad Driburg die Probe aufs Exempel.


Elektroautos sind starke Sprinter. Vor allem in der ersten Sekunde lassen sie jeden Verbrenner stehen. Das unmittelbare Ansprechverhalten des Motors auf die Stromzufuhr hat Einfluss aufs Fahrzeug-Handling. Der Motor-Informations-Dienst (mid) macht auf dem Bilster Berg in Bad Driburg die Probe aufs Exempel. Zur Verfügung stehen zwei Stromer der Marke Hyundai: der jüngste Kona Elektro und der gerade erst aus der Taufe gehobene Ioniq 5.

In direkter Nachbarschaft zur berühmten Rennstrecke befindet sich ein großer Tummelplatz für Fahrtrainings und Testungen aller Art. Das Areal ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt und lädt dazu ein, sich voll dem Fahrzeug zu widmen. Test 1: Slalomfahrt mit dem Kona Elektro. Bei dem klassischen Verkehrshütchen-Spiel geht es darum, auf Kommando ein Hindernis zu umfahren. Der Kommandeur steht draußen und ist per Funk mit dem Fahrzeuginsassen verbunden. Kurz vor dem Hütchen befiehlt er "links!" oder "rechts!", so dass der Pilot gezwungen ist, sehr kurzfristig den Lenker für eine knappe Sekunde um 180 Grad herumzureißen.

Der Kona Elektro ist der Brot-und-Butter-Stromer im Hause Hyundai, flott und funktional. Er beschleunigt souverän, aber nicht unbedingt sportlich. Im Hütchen-Slalom bewährt er sich tadellos. Ein leises Reifenquietschen ist das einzige Geräusch, das bei dem Manöver entsteht.

Kraftvoller und imposant trumpft dagegen der Ioniq 5 auf. Sportliche Fahrleistungen verbindet das koreanische Crossover-Fahrzeug (CUV) mit hohem Komfort und praktischen Abmessungen. Und die Reichweite des Elektroautos kratzt - je nach Version - an der 500-Kilometer-Marke. Das Karosseriedesign zeigt auf unaufdringliche Weise klare Kante, wirkt modern, elegant, ziemlich schlicht, aber keineswegs langweilig.

Beim Beschleunigen und Fahren auf der Slalom-Teststrecke erweist sich der Ioniq 5 als rasant und wendig und genügt damit gehobenen Ansprüchen an Sportlichkeit. Unterdessen macht das Ambiente einen gediegenen Eindruck, wirkt hochwertig, dabei puristisch, aber nicht unterkühlt. Die bequemen Sitze vermitteln Behaglichkeit und geben guten Halt auch in scharf gekratzten Kurven.

Hier nun lohnt es sich, die Zeit zu stoppen, denn der Ioniq 5 punktet eben doch durch hohe Beschleunigungswerte. Nach mehreren Runden riecht es scharf nach Gummi, doch das geräumige Fahrzeug gerät kaum aus der Fassung. Auch hier fasziniert die Kombination aus Rasanz und Ruhe, die nur ein starker Stromer zu bieten hat.

Die Topmotorisierung besteht aus einem Heckmotor und einem Frontmotor mit einer Systemleistung von 225 kW/305PS. Beide zusammen resultieren in einem Drehmoment von 605 Newtonmetern (Nm) und einem Allradantrieb. In Verbindung mit der 72,6-kWh-Batterie beschleunigt diese Variante in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Solche Kraftmeierei zehrt natürlich Reichweite auf - doch für ein paar rasante Runden auf dem Bilster Berg reicht die Akkuladung allemal.

Lars Wallerang / mid

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