Auf der IAA in München präsentierte Daimler die elektrische S-Klasse, den EQS. Jetzt kommt die elektrisierte E-Klasse, der Mercedes EQE. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat eine erste Fahrprobe mit der elektrischen Langstreckenlimousine durchgeführt.
Auf der IAA in München präsentierte Daimler die elektrische S-Klasse, den EQS. Jetzt kommt die elektrisierte E-Klasse, der Mercedes EQE. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat eine erste Fahrprobe mit der elektrischen Langstreckenlimousine durchgeführt. Auch wenn die reguläre neue E-Klasse zum letzten Mal mit Benzin oder Dieselantrieb vor der Tür steht, die Zukunft fährt elektrisch. Dass Mercedes für die Zukunft gut gewappnet ist, wird bei der Probefahrt deutlich.
Genau wie der EQS baut der EQE auf der EVA2 Plattform auf. Das bedeutet beim EQE 350+ eine Batteriekapazität von 90,5 kWh (Netto) und eine Leistung von 215 kW/292 PS, die der im Heck verbaute Elektromotor "eATS" an die Hinterräder abgibt. Elektrofahrzeug-typisch liegt ein hohes Drehmoment an, stolze 565 Nm sorgen für den nötigen Vortrieb um das 2,355 Tonnen schwere Fahrzeug in nur 6,4 Sekunden die 100 km/h Marke überschreiten zu lassen.
Wer lieber mit allen vier Rädern angetrieben unterwegs ist, der greift zum EQE 500 4MATIC, ein zweiter Elektromotor gesellt sich an die Vorderachse und mehr Leistung gibt es oben drauf. 300 kW/408 PS und Supersportwagen ähnliche 858 Nm Drehmoment schieben dann in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Hier unbedingt die Beifahrer vorwarnen, bevor man das Pedal durchtritt, die Leistung ist ohne Verzögerung verfügbar.
Apropos Supersportwagen, von AMG kommen natürlich etwas später auch EQE Versionen, der EQE 43 4MATIC und der EQE 53 4MATIC+ stehen in den Startlöchern. Hier lässt man es dann richtig krachen, 350 kW/476 PS, 860 Nm Drehmoment und 4,2 Sekunden von 0 - 100 liefert der 43er, der 53er liefert 460 kW/626 PS (mit Dynamic Plus-Paket sogar 505 kW/687 PS), 1000 (!) Nm Drehmoment und 3,3 Sekunden von 0-100. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei allen Modellen bei 210 km/h limitiert (53 4MATIC: 240 km/h), bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Verbrauch trotz CW-Wert von 0,22 exponentiell, dem entgegnet Mercedes mit diesem Limit.
Um den EQE zu laden, kann auf die heimische Wallbox zurückgegriffen werden, hier kann mit 11 oder optional 22 kW geladen werden, passende Ladesäulen gibt es beim Mercedes Händler zu erwerben. Die maximale Ladeleistung an einem Supercharger beträgt 170 kW. Klingt erstmal nicht viel, Mercedes hat den Ladezyklus aber so optimiert, dass die höhere Leistung länger anliegt. Bei anderen Modellen gibt es einen kurzen Peak bei 300 kW und dann sinkt die Ladekurve wieder - der Mercedes will hier konstanter mit 170 kW laden. Für den spontanen Besuch einer Ladesäule zeigt der EQE auch an, mit wie viel Ladeleistung ohne Vorkonditionierung gerechnet werden kann. Für das öffentliche Ladenetz gibt es mit "Mercedes me Charge" einen speziellen Tarif für rund 300.000 Ladepunkte in Europa mit verschiedenen Paketen zur Auswahl. Beim Kauf eines EQE ist das größte Paket automatisch für ein Jahr inkludiert.
Der Innenraum ist vollgepackt mit Hightech, ein 29 Zoll großes Head-up-Display zeigt alle gängigen Informationen an, das Navigationssystem und die Sprachsteuerung funktionieren während der Testfahrt ausgezeichnet und liefern eine Menge weiterer Informationen, zum Beispiel auf welcher Spur man abbiegen muss mit Live-Kamera. Der EQE Innenraum ist akustisch gedämmt um das Reisen angenehm ruhig zu gestalten, es sei denn man dreht das Premium Burmeister-Soundsystem auf, klanglich ein Genuss. Auch verfügbar ist das 141 Zentimeter breite MBUX-Hyperscreen-Display, hier ist für den Beifahrer ein 12,3 Zoll großer OLED Bildschirm verbaut und man kann sich während der Fahrt ein Video anschauen. Eine Kamerabasierte Sperrlogik dimmt dieses Display nach kurzer Zeit, falls der Fahrer während der Fahrt auf diesen Bildschirm schaut. Mit der hochaufgelösten 360 Grad Parkkamera und optionaler Hinterachslenkung (4,5 oder 10 Grad), mit der sich der Wendekreis auf minimal 10,7 Meter verringert, werden Parkmanöver zum Kinderspiel.
Zwei kleine Kritikpunkte fallen auf, das Driver-Display ist egal bei welcher Lenkradeinstellung nicht zu 100 Prozent einsehbar (es fehlen jeweils kleine Kanten an den oberen Ecken) und die Sicht durch den Rückspiegel ist durch die Aerodynamische Bauform des EQE etwas eingeschränkt. Eine Anhängerkupplung wird es geben, Freunde des E-Klasse Kombis gehen leider leer aus, ein solcher ist nicht geplant, immerhin fasst der Kofferraum 430 Liter. Eine Shooting-Brake-Variante könnte aber 2023 noch folgen. Gebaut wird der EQE für den Weltmarkt in Bremen und im Werk in Peking für den chinesischen Markt.
Preislich startet der Mercedes EQE 350+ bei 70.626,50 Euro, für den EQE 500 4MATIC stehen diese noch nicht fest.
Mike Neumann / mid
Technische Daten Mercedes EQE 350+ / EQE 500 4MATIC
- Länge / Breite / Höhe: 4.946 / 1.961 / 1.512 Meter
- Motor: Elektromotoren mit permanenterregten Synchronmaschinen (PSM)
- Batteriekapazität Netto: 90,5 kWh
- Leistung: 215 kW/292 PS / 300 kW/408 PS
- max. Drehmoment: 565 Nm / 858 Nm
- Reichweite (WLTP): bis zu 654 Kilometer / bis zu 590 Kilometer
- Beschleunigung 0 bis 100 km/h in: 6,4 Sekunden / 4,7 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
- Stromverbrauch WLTP kombiniert laut Hersteller: 18,7 - 15,9 kWh/100 km / 21,1 - 17,8 (vorläufig)
- C02-Emissionen: 0 g/km
- Preis: ab 70.626,50 Euro / noch nicht bekannt