Die fortschreitende Digitalisierung und Forschung im Bereich von Antrieben und Kraftstoffen wird die Mobilität in Städten noch zum Wechsel des Jahrzehnts grundlegend ändern. Wie funktioniert diese Verkehrswende jedoch auf der Entwicklungsebene, wie sichern wir die Energieversorgung - und ist Deutschland mit seinem insgesamt schwachen Datennetz dafür überhaupt gerüstet?
Mobilität aktuell: Was ist und was soll werden?
Drei große Trends werden uns über die nächsten Jahre und Jahrzehnte begleiten:
1. E-Mobilität meint den Umstieg auf alternative Antriebstechnologien. Dies wird durch den Bedarf einer CO2-Reduktion im Angesicht globaler Erwärmung weniger zu einem "nice to have" als zu einem "must have".
2. Smart Mobilität bezeichnet die Fähigkeit von Fahrzeugen, untereinander vernetzt und so gut wie vollständig autonom zu agieren. Dies wird durch die steigende Digitalisierung langsam Realität.
3. Geteilte Mobilität regt zum Verzicht aufs eigene Fahrzeug an: Fahrzeuge werden - bedingt durch smarte Mobilität - neue Transportmodelle wie das Carsharing besser verfügbar machen.
Aktuell findet die eingangs erwähnte Mobilität der Zukunft im Straßenverkehr nur spärlich statt. Im April 2022 zählte man etwa 690.000 zugelassene Elektroautos in ganz Deutschland. Insgesamt bewegen sich etwa 48,54 Millionen Fahrzeuge auf deutschen Straßen, der "E-Anteil" liegt somit bei etwa 1,4 %. Um eine weitreichende Reduktion von CO2-Emissionen zu erreichen, ist ein sehr viel stärkerer Fokus auf E-Mobilität notwendig. Dies bringt allerdings das Problem der Stromerzeugung mit sich. Wird Strom durch Kohle, Gas und Öl gewonnen, hält sich der Vorteil durch E-Autos im Vergleich zu regenerativen Energien oder Nuklearenergie in Grenzen.
Digitalisierung im Straßenverkehr: eine riesige Herausforderung?
Das Auto von morgen ist permanent mit anderen Fahrzeugen in der näheren und weiteren Umgebung in Kontakt. Da diese Fahrzeuge autonom fahren werden, entstehen dadurch beispielsweise keine Staus mehr. Autonome Fahrzeuge "wissen" somit permanent, wo sie langfahren und wissen so, wie sie die kürzeste Strecke nehmen und gleichzeitig den Bereich mit dem niedrigsten Verkehrsaufkommen ansteuern.
Dies stellt jedoch hohe Herausforderungen an das Datennetz: 5G oder das Ende des Jahrzehnts erwartete 6G müssen praktisch flächendeckend verfügbar sein. Fahrzeuge müssen permanent einen Internetzugang nutzen, um Daten weiterzugeben - an Leitstellen, andere Fahrzeuge, Betreiber von Dienstleistungen und dergleichen. Sicherheitsinformationen, Fahrverhalten, Standort, Umgebung: All diese Informationen werden ein gewaltiges Datenvolumen erzeugen, das allerdings notwendig ist, um smarte Mobilität Realität werden zu lassen.
Aktuell ist das Datennetz in Deutschland dafür noch nicht ausgerüstet. Der Fokus liegt momentan auf einem Verkehrssystem, das das private Fahrzeug in den Vordergrund stellt und auf dieser Wissensbasis aufgebaut ist. Ein nachhaltiges, smartes Netzwerk, das wesentlich effizienter und zu einem Großteil automatisiert ist, wird große Anstrengungen durch die Automobilindustrie und die Politik fordern - und durch die Menschen. Sie müssen bereit sein, das Fahren in Zukunft Maschinen und Software zu überlassen.
Geteilte Mobilität: der Weg zur Nachhaltigkeit
Die meisten Fahrzeuge verbringen den Großteil ihres Daseins im Stillstand auf Parkplätzen. Berufspendler nutzen ihre Fahrzeuge nur wenige Stunden am Tag. Bedingt durch die im vorherigen Abschnitt erwähnte Digitalisierung wird es möglich sein, den Weg zum geteilten Fahrzeug zu gehen und Transportkapazitäten sinnvoller zu nutzen. Konkret ließe sich das in einer Zukunftsvision wie folgt vorstellen:
- Nutzerinnen und Nutzer sehen in einer App alle autonom fahrenden Fahrzeuge in der Nähe in einer Übersicht.
- Sie wählen ihr bevorzugtes Fahrzeug aus, das sich anschließend zu der jeweiligen Person selbstständig auf den Weg macht - unter Umständen mit anderen Personen an Bord, die ähnliche Ziele definiert haben.
- Das Fahrzeug holt die Person ab und bringt sie an den Zielort.
Das Konzept von Mobility as a Service entfernt sich somit von dem Gedanken, dass jeder ein eigenes Fahrzeug haben muss. Stehen in einer hypothetischen Großstadt 100.000 Fahrzeuge zur Verfügung, die theoretisch als selbstfahrendes Taxi nutzbar sind, stellt sich die Frage, warum ein eigenes Fahrzeug notwendig ist. Steigt oder fällt der Bedarf an Mobilität in einer Region, lässt sich die Menge an vorhandenen Fahrzeugen in beide Richtungen leicht skalieren.
Die drei Herausforderungen für den Straßenverkehr
Energieversorgung, Digitalisierung und eine breitflächige Vernetzung von Shared-Mobility-Konzepten: Die Herausforderungen, die Entwickler zu leisten haben, um die Mobilität der Zukunft einzuläuten, sind enorm. Dennoch soll ein Großteil der genannten Konzepte bis 2030 umgesetzt sein. Eine andere Wahl bleibt angesichts der Energie- und Klimakrise ohnehin kaum.
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