Netzstabilität gewährleisten, Grünstrom-Potentiale nutzen, Versorgung sichern – das sind zentrale Zukunftsthemen der Energiebranche in Europa. Ein entscheidender Faktor, um das ambitionierte Ziel Klimaneutralität zu erreichen, sind Speicher für nachhaltig produzierten Strom. Die Axpo entwickelt dafür Lösungen und investiert nach Engagements in der Schweiz und Schweden nun auch in Polen in diesen wichtigen Versorgungszweig. Mit dem neuen Batteriespeicher im großtechnischen Maßstab werden gleich mehrere Herausforderungen der Energiewende angegangen.
Batteriespeicher: Schlüsseltechnologie für die Energiewende in Europa
Die Herausforderung ist so alt wie die Grünstromtechnik selbst, aber erst der Ausbau der vergangenen Jahre rückt eine Frage klar in den Fokus: Wie lässt sich Versorgungssicherheit herstellen, wenn Angebot und Nachfrage stark schwanken? Konventionelle Kraftwerke, etwa für die Kohleverstromung, lassen sich innerhalb gewisser Grenzen herauf- oder herunterfahren. Zwei der wichtigsten grünen Stromquellen, Wind und Solar, sind jedoch umweltabhängig. Das bedeutet: Die Stunden, in denen am meisten Strom zur Verfügung steht, sind nicht unbedingt die mit der größten Nachfrage. Das hat zwei Nachteile: grüner Strom bleibt ungenutzt und Engpässe drohen. Experten sehen moderne Batteriespeicher daher als entscheidende Technologie für eine erfolgreiche Energiewende. Sie entkoppeln die Verfügbarkeit von Grünstrom vom aktuellen Wettergeschehen und lösen damit zentrale Herausforderungen der Energiewirtschaft des 21. Jahrhunderts.
Axpo investiert in polnische Batteriespeicher
Wie lassen sich Energiespeicher im großtechnischen Maßstab realisieren? Die Schweizer Axpo zählt zu den europäischen Unternehmen mit dem tiefsten Know-how in diesem Gebiet. Die Entwicklung von Großbatterielösungen gehört seit Jahren zum Kerngeschäft der Spezialistin für erneuerbare Energien. Diese Expertise bringt das Unternehmen nun in ein neues Speicherprojekt ein. In diesem Zusammenhang wird die Axpo erstmals in ein Batteriespeicherkraftwerk in Polen investieren. Damit setzt das Unternehmen seine nachhaltige Marktstrategie im osteuropäischen Markt konsequent fort, wird aber auch neue Ziele anpeilen, wie Paweł Wierzbicki, Head of Origination von Axpo in Polen, erläutert: „In Polen haben wir uns vor allem auf das Wachstum durch den Verkauf und die Abnahme von grüner Energie konzentriert. Wir haben auch ein Solarkraftwerk entwickelt, das unsere erste eigene Erzeugungskapazität in Polen sein wird. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt und entwickeln Energiespeicherprojekte für den polnischen Markt.“
Konkret verfolgt das Projekt zwei wichtige Ziele: das polnische Netz zu stabilisieren und den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Dies ist ein wichtiger Schritt für das Land, dessen Strombedarf im Jahr 2022 etwa zu einem Fünftel aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden konnte. Dieser Anteil soll in der Zukunft deutlich steigen und die Axpo ist eine wichtige Wegbereiterin. Zum einen sind die großen Batterien, wie sie jetzt entstehen werden, in der Lage, die angesprochenen Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen. Zum anderen ermöglichen sie es, zusätzliche erneuerbare Energieträger ans Stromnetz anzuschließen.
So funktioniert ein großtechnischer Batteriespeicher
Stromspeicher, die ans Netz angeschlossen sind, arbeiten mit ähnlicher Technik wie Akkus im Laptop oder im Elektroauto – auch wenn die Kapazitäten ganz anders dimensioniert sind. Ein großer Vorteil der Li-Ionen-Bauweise ist, dass die Technik nahezu von einer Sekunde auf die nächste bereit ist, vom Lade- in den Entlade-Modus überzugehen. So liefern die Zellen unverzüglich Strom, wenn dieser benötigt wird – oder nehmen ihn auf, wenn gerade keine Nachfrage besteht. Wie beim Projekt in Polen gilt es als sinnvoll, Speicher dezentral im Land zu verteilen. So lässt sich das Netz an verschiedenen Punkten stabilisieren.
Expertise aus Speicherprojekten in Schweden und der Schweiz
Mit der Axpo steigt nicht nur eine europaweit tätige Produzentin und Händlerin von grünem Strom in den polnischen Markt ein – das Unternehmen hat zudem eine umfassende Erfahrung im Aufbau von Speicherlösungen. In diesem Segment entstanden bisher Batteriespeicher in der Schweiz und in Schweden, wobei das jüngste skandinavische Projekt auch eines der ambitioniertesten Vorhaben in diesem Bereich ist. In Filipstad, einem Ort etwa 300 Kilometer westlich von Stockholm, soll einer der größten Batteriespeicher Schwedens entstehen. Der Baubeginn für die 25 MW liefernde Lithium-Ionen-Anlage ist für Anfang 2024 geplant. Zum Vergleich: Eine Megawattstunde reicht aus, um etwa zehn kleinere Haushalte einen ganzen Tag lang zu versorgen. Die Partner zeigen sich auch hier begeistert von der Expertise und der Leistungsfähigkeit der Axpo. Henrik Boman, CEO von SENS, erklärte dazu: „Wir freuen uns sehr über die Partnerschaft mit Axpo, einem führenden internationalen Energieversorger, der wirklich an vorderster Front dabei ist, die Energiewende in ganz Europa voranzutreiben.“
Wachstumsstrategie in Europa
Dass in Polen nun ebenfalls Batteriespeicher unter Beteiligung der Axpo errichtet werden, ist kein Zufall. Der gesamte Kontinent ist bemüht, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, denn die Energiewende ist eine internationale Herausforderung. Umso sinnvoller erscheint der Zusammenschluss verschiedener Partner, um das Zukunftsprojekt gemeinsam anzugehen. So wird es auch beim Projekt in Osteuropa sein.
Mit dem Engagement in Polen setzt die Axpo außerdem ihren individuellen Wachstumskurs fort. Schon 2023 konnte das Unternehmen – der Krisen auf dem Energiemarkt zum Trotz – hervorragende zahlen vorlegen. Nun wird das Geschäft um einen weiteren profitablen Zweig ausgebaut. Frank Amend, Leiter Batterien & Hybridsysteme von Axpo, betont ausdrücklich, wie wichtig der polnische Markt für das Unternehmen ist und sein wird: „Der Start der Geschäftsentwicklung in Polen ist Teil einer umfassenden Wachstumsstrategie. Der Einstieg in den polnischen Markt mit unserem Batteriegeschäft ist ein wichtiger Schritt für uns.“
Speicherung und Handel aus einer Hand
Die Investitionen in klimafreundliche Batteriespeicherlösungen haben für die Axpo darüber hinaus einen zusätzlichen strategischen Vorteil. Die Stromspeicher stärken die Möglichkeiten, am Handel auf den Kurzfristmärkten teilzunehmen. Damit schließt ich für die Schweizer Energieproduzentin und -händlerin ein Kreislauf: Die Axpo ist in der Lage, Strom zu speichern und zugleich Vermarktungsdienstleistungen anzubieten – alles aus einer Hand. Ebenso wie in Schweden und in der Schweiz ist es möglich, den gespeicherten Strom als Ausgleichsenergie zur Verfügung zu stellen sowie im Day-Ahead- und Intraday-Handel anzubieten. Das funktioniert mit einem hohen Automatisierungs- und Digitalisierungsgrad: Die Flexibilitätsoptionen aus den Stromspeichern und dezentralen Anlagen werden über IT-Plattform gehandelt und stehen dem Markt bedarfsgerecht zur Verfügung.
Auch gesellschaftlich übernimmt die Axpo gleich mehrfach Verantwortung. Die Stromspeicherung ist unverzichtbar, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Hinzu kommt die CO2-Einsparung, da überschüssig erzeugter Grünstrom in Zeiten hoher Produktion und geringer Nachfrage nicht mehr ungenutzt verpufft. Stattdessen ersetzt der gespeicherte Strom CO2-intensiven Strom aus Verbrennung fossiler Energieträger – die füllen nämlich sonst die Lücken in der Versorgung. Analysen gehen davon aus, dass die Speicher langfristig dazu beitragen werden, die Kohleverstromung zu reduzieren und irgendwann gänzlich überflüssig zu machen.
Weitere Investitionen in Polen in Planung
Wird der Energiespeicher für grünen Strom in Polen ein Leuchtturmprojekt bleiben? Hier zeigt sich die Unternehmensführung überzeugt: Die Speicher werden nicht das einzige Engagement in Osteuropa sein. Das ist ökologisch wie ökonomisch absolut nachvollziehbar, denn die Region hat ein großes Potential, was die Entwicklung und den Ausbau erneuerbarer Energien anbelangt. Entsprechend breit ist die Strategie der Axpo angelegt. Paweł Wierzbicki nimmt hierauf direkt Bezug und erklärt: „Zurzeit konzentrieren wir uns auf die Entwicklung von Projekten und führen intensive Gespräche zum Erwerb von Projekten in Polen.“ Es dürfte also nicht verwundern, wenn in näherer Zukunft weitere Vorhaben angekündigt und umgesetzt werden. Durch die große Landfläche sowie viele Küstenkilometer ist der Standort Polen für Wind- und Solarenergie genauso interessant wie für Speicherlösungen.
Erneuerbare Energien sind europaweit auf dem Vormarsch
Der Ausbau der Produktionskapazitäten für grünen Strom, dazu zählen bei der Axpo insbesondere Windkraft- und Solaranlagen, nimmt europaweit Fahrt auf. Das Schweizer Unternehmen ist zum Beispiel in der Schweiz, Italien, Finnland, Schweden, Polen und weiteren Ländern der EU an aktuellen Bau- und Erzeugungsprojekten beteiligt. Auch hier sind es viele Großprojekte, um die Erzeugung entscheidend voranzubringen. Die Kombination von Produktion, Speicherung und Handel ist dabei ein starkes Alleinstellungsmerkmal. Schon heute verfügt die Axpo über Kapazitäten von über 5000 MW zur Stromproduktion und verwaltet ein Portfolio von 99 TWh grünem Strom pro Jahr. Durch neue Investitionen wie jetzt in Polen werden diese Zahlen in den kommenden Jahren weiter steigen.
STARTSEITE