Technologie

Cyber-Versicherungen für Unternehmen - Schutzschild gegen digitale Gefahren oder Geldverschwendung?

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@ Image by Bethany Drouin from Pixabay (CC0-Lizenz)

Die ersten Cyber-Versicherungsprodukte kamen vor etwa zwei Jahrzehnten auf den Markt, als die digitale Transformation gerade an Fahrt aufnahm. Damals ein Nischenprodukt für Großkonzerne, ist die Nachfrage bei kleinen und mittelständischen Unternehmen inzwischen stark gestiegen. Kein Wunder: In einer zunehmend vernetzten Welt, in der digitale Daten und IT-Infrastrukturen zu den wertvollsten Ressourcen eines Unternehmens zählen, bietet diese Art von Versicherung Schutz, der essenziell sein kann. Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung hatten auch gesetzliche Regelungen wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Doch halten Cyber-Versicherungen auch, was sie versprechen? Dieser Frage wollten wir nachgehen und beleuchten den Markt, das Leistungsspektrum und Auswahlkriterien näher.

Umfang und Arten von Cyber-Versicherungen

Cyber-Versicherungen, die bei manchen Anbietern auch unter alternativen Bezeichnungen wie Data Protect oder Hackerversicherung zu finden sind, lassen sich grundsätzlich in zwei Hauptkategorien einteilen:

Erstpartei-Schäden:

Diese Versicherungen decken Eigenschäden des Unternehmens ab, wie beispielsweise IT-Kosten nach einem Hackerangriff, Betriebsunterbrechungen und Wiederherstellungskosten.

Drittpartei-Schäden:

Hierunter fallen Haftpflichtschäden, wenn beispielsweise durch eine Sicherheitslücke Kundendaten entwendet werden und das Unternehmen dafür haftbar gemacht wird.

Beispielhafte Versicherungsprodukte bieten umfangreiche Deckungen, die sowohl finanzielle Verluste als auch rechtliche Kosten abdecken. Dabei fällt ein erster großer Unterschied zwischen den Policen auf, je nachdem an welche Zielgruppe sie sich primär wenden: Während größere Unternehmen spezielle Tarife für komplexere IT-Infrastrukturen benötigen, sind die Anforderungen bei kleineren Firmen oft weniger umfangreich.

Typische Risiken und Schadensszenarien

Unternehmen sehen sich einer Vielzahl von Cyber-Risiken gegenüber. Häufige Gefahren sind:

  • Hackerangriffe: Zielgerichtete Angriffe, um Daten zu stehlen oder Systeme zu sabotieren.
  • Ransomware: Schadsoftware, die Daten verschlüsselt und erst nach Zahlung eines “Lösegeldes” wieder freigibt.
  • Phishing: Betrügerische E-Mails, die darauf abzielen, sensible Informationen zu erbeuten.
  • Social Engineering: Manipulationstechniken, die gezielt auf menschliche Verhaltensweisen und Vertrauensverhältnisse abstellen, mit dem Ziel an vertrauliche Informationen zu gelangen oder bestimmte Handlungen zu provozieren.
  • Datenverlust: Tritt auf als Folge von technischen Problemen, Benutzerfehlern oder Angriffen.  

In vielen Fällen ist eine Schadens-Abwicklung direkt über Dienstleister möglich. So sind z.B. in der Versichererhochburg München professionelle Datenrettungsunternehmen darauf spezialisiert, digitale Schäden zu beheben, die durch Cyberversicherer abgedeckt sind.

Markt und Anbieter

Der Markt für Cyber-Versicherungen bietet mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Zu den bedeutendsten zählen Unternehmen wie Allianz, AXA und Hiscox. Diese bieten umfassende Cyber-Versicherungspakete, die in der Regel auch recht flexibel an den unternehmensspezifischen Bedarf angepasst werden können.

Ein Vergleich zeigt, dass Leistungen, Tarife und Prämien stark variieren. Je nach Faktoren wie Unternehmensgröße, Branche und IT-Sicherheitsstandards landen bei den Vergleichsportalen ganz unterschiedliche Anbieter und Policen auf den vorderen Plätzen.

Mehr noch als bei jeder anderen Versicherung gilt hier: Ein umfassender, tiefgehender Vergleich ist ein Muss.

Herausforderungen und Limitationen

Trotz des breiten Angebots stehen sowohl Unternehmen als auch Versicherer vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen:

  • Risikobewertung: Die Einstufung des tatsächlichen Cyber-Risikos ist komplex und erfordert meist eine detaillierte Prüfung der IT-Sicherheitsvorkehrungen z.B. durch Pentests im Unternehmen.
  • Schadensregulierung: Im Schadensfall muss oft eine Vielzahl von Details geklärt werden. Ein einzelner Angriff kann sich auf unterschiedliche Weise in ganz verschiedenen Bereichen des Unternehmens bemerkbar machen. Die Regulierung kann in solchen Fällen sehr zeitaufwändig und kompliziert werden.
  • Ausschlüsse: Viele Policen haben spezifische Ausschlüsse, wie etwa Schäden durch grobe Fahrlässigkeit oder bekannte Sicherheitslücken, die vor Vertragsabschluss nicht behoben wurden. Diese gilt es, unbedingt von Vornherein zu beachten, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Am Anfang steht die Risikoanalyse

Der Weg zur Cyber-Versicherung beginnt mit einer umfassenden Risikoanalyse. Versicherer fordern detaillierte Informationen über bestehende Sicherheitsmaßnahmen, die IT-Infrastruktur und vergangene Sicherheitsvorfälle. Anhand dieser Informationen erfolgt die Bewertung des Risikos, gefolgt von spezifischen Empfehlungen zur weiteren Risikominderung. Nach Erfüllung der Anforderungen kann der Vertrag abgeschlossen werden.

Präventionsmaßnahmen und Anforderungen

Um das Cyber-Risiko zu minimieren, sind präventive Maßnahmen unerlässlich. Versicherer verlangen oft:

  • Regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen: Überprüfungen und Aktualisierungen der IT-Sicherheitsmaßnahmen.
  • Mitarbeiterschulungen: Schulungen zur Sensibilisierung für Cyber-Risiken und korrekte Verhaltensweisen im Umgang mit IT-Systemen.
  • Notfallpläne: Klare Prozeduren für den Fall eines Sicherheitsvorfalls, um schnell und effektiv reagieren zu können.

Ausblick und Fazit

Technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und Software-as-a-Service-Angebote werden die Anforderungen an Cyber-Security weiter steigen lassen. Es wird erwartet, dass die Versicherer ihre Produkte kontinuierlich anpassen und neue Policen entwickeln, um den sich verändernden Bedrohungen gerecht zu werden. Auch gesetzliche Änderungen werden weiterhin die Gestaltung der Versicherungsangebote beeinflussen.

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der steigenden Cyber-Risiken ist die Relevanz von Cyber-Versicherungen heute weitgehend unumstritten. Unternehmen aller Größen sollten sich zumindest umfassend über die verschiedenen Versicherungsmöglichkeiten Informieren.

Eines muss aber jedem Unternehmer klar sein: Cyber-Versicherungen sind keinesfalls Ersatz für eine robuste Strategie gegen Cyber-Bedrohungen im Unternehmen, sondern ein möglicher Bestandteil davon.

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