Als 21. Land hat Bulgarien den Euro als Währung eingeführt. Um Mitternacht gab das Land den Lew auf, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war. Euro-Münzen wurden auf das Gebäude der Zentralbank projiziert.
Genau 19 Jahre nach seinem Beitritt zur Europäischen Union hat Bulgarien zum Jahreswechsel als 21. EU-Land den Euro als Währung eingeführt. Um Mitternacht gab das südosteuropäische Land am Donnerstag den Lew auf, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch war. Euro-Münzen wurden auf das Gebäude der Zentralbank projiziert. In einer kurz darauf ausgestrahlten Rede bezeichnete Präsident Rumen Radev die Euro-Einführung als "letzten Schritt" der EU-Integration Bulgariens.
"Ich heiße Bulgarien herzlich in der Euro-Familie willkommen", erklärte die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde. Das nun auch in Bulgarien geltende Zahlungsmittel bezeichnete sie als "starkes Symbol" für "gemeinsame Werte und kollektive Stärke".
Bulgarien ist das erste Land am Schwarzen Meer, in dem die Gemeinschaftswährung gilt. Brüssel hatte nach der Entscheidung im Juli mitgeteilt, dass der Wechselkurs zwischen dem Euro und dem bulgarischen Lew auf rund 1,96 Lew für einen Euro festgelegt wird.
Auf einem der größten Märkte in der Hauptstadt Sofia wurden die Preise für sämtliche Artikel am Donnerstag sowohl in Lew als auch in Euro angegeben. "Ganz Europa kommt mit dem Euro zurecht, wir werden das auch schaffen", sagte der Rentner Vlad der Nachrichtenagentur AFP. "Super! Es funktioniert!" rief der 43-jährige Dimitar, nachdem er kurz nach Mitternacht 100 Euro an einem Geldautomaten gezogen hatte.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Mittwoch gesagt, dass der Beitritt Bulgariens zur Eurozone einen "wichtigen Meilenstein" für die Bulgaren darstelle. "Er wird das Reisen und Leben im Ausland erleichtern, die Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit der Märkte steigern und den Handel fördern", sagte sie.
Bulgarien ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf das ärmste Land der EU. Seit 2004 ist das Land Nato-Mitglied, 2007 trat es der EU bei. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation Transparency International landete Bulgarien zuletzt auf dem letzten Platz unter den EU-Mitgliedstaaten. Nach Massenprotesten gegen Korruption war die bulgarische Regierung Mitte Dezember nach weniger als einem Jahr im Amt zurückgetreten.
