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Venezuelas Übergangspräsidentin wirft Maduro-Gefolgsmann Saab aus dem Kabinett

  • AFP
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  • 17. Januar 2026, 05:19 Uhr
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Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez Bild: AFP

Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hat Industrieminister Álex Saab entlassen. Er war als Strohmann des von den USA gefangengenommenen und entmachteten Staatschefs Nicolás Maduro kritisiert worden.

Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hat Industrieminister Álex Saab entlassen, der als Strohmann des von den USA gefangengenommenen und entmachteten Staatschefs Nicolás Maduro kritisiert wurde. Rodríguez teilte am Freitag (Ortszeit) im Onlinedienst Telegram mit, dass Saabs Ressort von Handelsminister Luis Antonio Villegas mit übernommen werde. 

"Ich danke dem Kameraden Álex Saab für seine Arbeit im Dienste des Vaterlandes", schrieb Rodríguez. Der bisherige Minister werde nun "neue Verantwortlichkeiten" übernehmen.

Der Unternehmer Saab war 2023 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit den Vereinigten Staaten aus einem US-Gefängnis freigekommen. Im Oktober 2024 ernannte der damalige Präsident Maduro ihn zum Industrieminister.

Der in Kolumbien geborene Venezolaner Saab hatte in den letzten Jahren der Präsidentschaft von Maduros Amtsvorgänger Hugo Chávez, der bis 2013 in Venezuela herrschte, immer engere Beziehungen zur venezolanischen Führung geknüpft. Für die Regierung Maduro baute er ein riesiges Import-Netz auf. Er wurde mit dem Regierungsprogramm CLAP betraut, durch das Lebensmittel-Importe in das mit US-Sanktionen belegte Land gelangten und gegen das immer wieder Korruptionsvorwürfe erhoben wurden. 

Die US-Behörden legten Saab Geldwäsche von illegal eingestrichenen Geldern aus Venezuela zur Last gelegt. Deswegen wurde er 2020 auf den Kapverden festgenommen und 2021 an die USA ausgeliefert. Die venezolanische Regierung verteidigte Saab jedoch als "Helden", der die Venezolaner mit Lebensmitteln versorgt habe.

Die USA hatten Anfang Januar einen Militärangriff gegen Venezuela ausgeführt und Präsident Maduro und dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen. Dem linksgerichteten langjährigen Staatschef soll in den USA wegen "Drogenterrorismus" der Prozess gemacht werden. 

Das Verteidigungsministerium in Caracas erklärte am Freitag, bei dem US-Einsatz Anfang Januar seien 47 venezolanische Soldaten getötet worden, darunter neun Frauen. Insgesamt habe es 83 Tote gegeben, daunter auch 32 kubanische Soldaten. Einige von ihnen waren zu Maduros Schutz abgestellt worden. Weitere 112 Menschen seien bei dem US-Angriff verletzt worden. Wenige Tage nach dem Einsatz hatte das venezolanische Innenministerium zunächst von 100 Toten, darunter 23 venezolanische Soldaten, gesprochen.

Maduros frühere Stellvertreterin Rodríguez, die seither die Regierungsgeschäfte leitet, hat in den vergangenen Tagen bereits mehrere Minister ausgetauscht. Am Freitag ernannte sie den Philosophen und Schriftsteller Miguel Pérez Pirela zum neuen Kommunikationsminister. Er solle die Regierung in der "Kommunikationsschlacht zur Verteidigung der Wahrheit" verstärken, erklärte sie in Online-Netzwerken. 

Freddy Ñáñez, der seit 2020 Kommunikationsminister war, soll nun das Umweltministerium leiten. Zum neuen Verkehrsminister ernannte Rodríguez den Vize-Admiral Aníbal Coronado aus Maduros früherem engeren Umfeld.

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