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Bundestag: Holocaust-Überlebende Friedman warnt vor zunehmendem Antisemitismus

  • AFP
  • In POLITIK
  • 28. Januar 2026, 15:39 Uhr
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Tova Friedman im Bundestag Bild: AFP

Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman hat im Bundestag zum Kampf gegen einen zunehmenden Antisemitismus aufgerufen. 'Lassen Sie es nicht zu, dass der Antisemitismus wieder wächst', rief Friedmann den versammelten Politikern zu.

Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman hat im Bundestag zum Kampf gegen einen zunehmenden Antisemitismus aufgerufen. "Lassen Sie es nicht zu, dass der Antisemitismus wieder wächst", rief Friedman am Mittwoch den versammelten Politikerinnen und Politikern zu. Dieser sei "nicht verschwunden, er hat sich angepasst". Vor einem wieder "gesellschaftsfähig" werdenden Judenhass warnte auch Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU). 

Der Bundestag erinnerte in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus. Dabei waren neben den Abgeordneten und Mitgliedern der Bundesregierung auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) sowie weitere Gäste anwesend. Der Pianist Igor Levit und die Flötistin Meret Louisa Voge spielten zudem Musikstücke von Komponisten, die selbst Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.

Die Gedenkstunde findet jährlich rund um den 27. Januar statt, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Friedman zeigte sich "sehr geehrt", im Bundestag sprechen zu dürfen. Sie spreche nicht nur für sich selbst, sondern auch für die sechs Millionen getöteten Jüdinnen und Juden, betonte die 87-Jährige. Es sei für sie das erste Mal, wieder in Deutschland zu sein.

"Ich verließ Auschwitz mit dem Gedanken, dass ich mich nie wieder fürchten müsste, weil ich Jüdin bin", sagte die Holocaust-Überlebende. Doch die Zeiten hätten sich geändert: "Jetzt 81 Jahre später hat sich ein Großteil der Welt gegen uns gewandt."

Friedman rief dazu auf, sich dem zunehmenden Antisemitismus entgegenzustellen. Denn die Geschichte lehre, "dass Hass niemals auf ein einziges Volk beschränkt bleibt. Wenn Antisemitismus geduldet wird, werden die demokratischen Werte an sich geschwächt".

Die 1938 nahe Danzig geborene Jüdin wurde im Alter von fünf Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau in Polen deportiert. Sie überlebte und ist heute eine der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Holocaust.

Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron betreibt Friedman einen TikTok-Kanal, auf dem sie in kurzen Videos die Erinnerung an die Shoah bei Jugendlichen wach hält. Dem Kanal folgen mehr als 500.000 Menschen. Sie nutze ihre Zeit, um andere über die damaligen Geschehnisse aufzuklären, insbesondere die jüngere Generation, sagte Friedman im Bundestag. "Ich werde damit bis zu meinem Tod weitermachen."

Bundestagspräsidentin Klöckner nannte Friedmans Engagement "ein ganz, ganz großes Geschenk an uns alle". Sie helfe, "das Unvorstellbare begreifbar zu machen".

Die CDU-Politikerin warnte ebenfalls vor einem wieder "gesellschaftsfähig" werdenden Antisemitismus. "Als Deutsche tragen wir alle eine besondere Verantwortung, dem wieder aufgekommenen Hass auf Juden entgegenzutreten", betonte Klöckner in ihrer Rede. "Jede Form der Ausgrenzung jüdischen Lebens widerspricht dem Wesen unseres Landes."

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