Rheinland

Tod eines Zugbegleiters bei Ticketkontrolle: Gewerkschaften fordern Konsequenzen

img
Polizei an Hauptbahnhof von Frankfurt am Main Bild: AFP

Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters bei einer Fahrkartenkontrolle haben Gewerkschaften Konsequenzen gefordert. 'Wir brauchen Doppelbesetzung', sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrat DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, im WDR.

Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz haben Gewerkschaften Konsequenzen gefordert. "Wir brauchen Doppelbesetzung, wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt", sagte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, am Donnerstag dem Westdeutschen Rundfunk. Nötig seien neue Sicherheitskonzepte und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei.

Damde kritisierte zudem die Betreiber der Bahnen. Bei den Ausschreibungen in der Vergangenheit habe "je billiger, desto besser" gegolten. Dadurch sei zugelassen worden, dass Züge nicht mehr von ausreichend Personal begleitet würden. Einer der "Hotspots bei den Übergriffen" sei Nordrhein-Westfalen, sagte Damde.

Ein 36 Jahre alte Zugbegleiter war am Montagabend in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden. Er hatte den Reisenden zuvor kontrolliert und wollte ihn wegen des fehlenden Fahrscheins des Zugs verweisen. Der Bahn-Mitarbeiter starb schließlich an seinen Verletzungen. Die Tat löste bundesweit Entsetzen und Mitgefühl aus.

Auch Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, forderte eine Doppelbesetzung im Zug. "Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen", sagte er am Donnerstag im Radiosender Bayern2. "Wir weisen seit Jahren darauf hin", fügte er hinzu. 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter hätten einen verbalen oder körperlichen Angriff erlebt. "Das sind schockierende Zahlen."

Die Ausstattung könne verbessert werden. Dazu zählten beispielsweise Bodycams mit Ton oder ein Notrufknopf an der Armbanduhr. "Das ist alles immer mit Kosten verbunden. Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar", sagte Burkert. Um auf aggressive Kunden zu reagieren, werde das Bahnpersonal mittlerweile geschult. "Aber für uns ist halt wichtig, dass kein Zugbegleiter oder Begleiterin alleine im Zug ist."

Am Mittwochabend veröffentlichte die Staatsanwaltschaft Zweibrücken weitere Ermittlungsergebnisse. Demnach starb der 36-Jährige an einer Hirnblutung durch stumpfe Gewalt gegen den Kopf. Er habe den Tatverdächtigen am Montagnachmittag in einer Regionalbahn in Richtung Homburg kurz nach Verlassen des Bahnhofs Landstuhl kontrollieren wollen, teilte die Behörde in der rheinland-pfälzischen Stadt mit.

Weil der 26-Jährige keine Fahrkarte habe vorzeigen können, habe der 36-Jährige ihn aufgefordert, den Zug zu verlassen. Daraufhin soll der 26-Jährige den Zugbegleiter mit mehreren heftigen Faustschlägen gegen den Kopf angegriffen haben. Dadurch habe dieser das Bewusstsein verloren.

Er wurde von Einsatzkräften reanimiert und mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Am Mittwoch erlag er schließlich seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Totschlags. Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. 

Der Beschuldigte habe sich bislang nicht zur Sache eingelassen, hieß es von der Staatsanwaltschaft. "Hintergrund der Tat und Motivlage des Beschuldigten sind Gegenstand der Ermittlungen." Er ist demnach griechischer Staatsbürger und lebt in Luxemburg. In Deutschland ist er nicht vorbestraft, auch polizeiliche Erkenntnisse zu ihm liegen hierzulande nicht vor.

Der Vater des Zugbegleiters erlitt nach Angaben der "Bild"-Zeitung einen Herzinfarkt, nachdem er von der Tat erfahren hatte. Er habe die Klinik zwei Tage später wieder verlassen können. "Ich habe einen Bypass bekommen. Aber mein Sohn wird nicht wieder zurückkommen", sagte der Vater des getöteten Zugbegleiter der "Bild"-Zeitung.

STARTSEITE