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Iranische Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi zu sechs Jahren Haft verurteilt

  • AFP
  • In POLITIK
  • 8. Februar 2026, 21:45 Uhr
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Narges Mohammadi Bild: AFP

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist nach Angaben ihres Anwalts erneut zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach einem sechstägigen Hungerstreik ist der Gesundheitszustand der 53-Jährigen offenbar sehr schlecht.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist nach Angaben ihres Anwalts erneut zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht habe sie wegen "Versammlung und Absprache zur Begehung von Straftaten" zu sechs Jahren Haft verurteilt, teilte der Anwalt Mostafa Nili am Sonntag mit. Nach Angaben aus ihrem Umfeld hat die inhaftierte Frauenrechtlerin unterdessen einen Hungerstreik nach sechs Tagen beendet, weil sich ihr Gesundheitszustand massiv verschlechterte.

Mohammadi, die 2023 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, wurde im Dezember bei einer Trauerfeier in der Stadt Maschhad festgenommen. Im Prozess habe sie sich weder verteidigt noch eine Erklärung abgegeben, erklärte ihre Stiftung. Damit habe sie ihre Überzeugung zum Ausdruck gebracht, "dass diese Justiz keine Legitimität hat", erklärte ihr in Paris lebender Mann Taghi Rahmani. Sie habe das Verfahren als "bloße Farce mit einem vorherbestimmten Ende" betrachtet.

Das Gericht habe neben der sechsjährigen Haftstrafe auch ein zweijähriges Ausreiseverbot gegen Mohammadi verhängt und sie für zwei Jahre in die Stadt Chosf in der ostiranischen Provinz Süd-Chorasan verbannt, erklärte ihr Anwalt. Sie wurden demnach auch zu einer eineinhalbjährigen Haftstrafe wegen Propaganda-Tätigkeiten verurteilt. Nach iranischem Recht werden mehrere Einzelstrafen allerdings nicht zu einer Gesamtstrafe addiert, sondern nur die längste Strafe vollstreckt.

Mohammadi hatte ihren Anwalt nach dessen Angaben in einem Telefonat über ihre Verurteilung informiert. Es war erst das zweite Mal seit ihrer Festnahme im Dezember, dass ihr ein Telefonanruf erlaubt wurde.

Mohammadi war am vergangenen Montag in einen Hungerstreik getreten, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Nach Angaben ihrer französischen Anwältin Chirinne Ardakani wollte sie damit insbesondere  ihr Recht auf Telefonate mit ihren Anwälten und ihrer Familie einfordern.

Nach Angaben ihrer Stiftung hat sie den Hungerstreik nun nach sechs Tagen beendet. Berichten zufolge sei ihr "körperlicher Zustand äußerst besorgniserregend", erklärte die Stiftung. Mohammadi hatte ihrem Anwalt demnach vor drei Tagen mitgeteilt, dass sie wegen ihres sich "verschlechternden Gesundheitszustands" ins Krankenhaus verlegt worden sei. Sie sei aber noch vor Abschluss der Behandlung zurück ins Gefängnis gebracht worden. "Ihre fortgesetzte Inhaftierung ist lebensbedrohlich und ein Verstoß gegen die Menschenrechte", erklärte die Stiftung.

Anwalt Nili äußerte die Hoffnung, dass Mohammadi aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme vorübergehend "gegen Kaution freigelassen werden könnte, um sich behandeln zu lassen". Das Urteil sei zudem noch nicht rechtskräftig und könne noch angefochten werden.

Die 53-jährige Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Sie hat einen Großteil der vergangenen zehn Jahre im Gefängnis verbracht und ihre beiden Kinder, die in Paris leben, seit 2015 nicht mehr gesehen.

2023 wurde Mohammadi für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend für sie ihre beiden Kinder in Oslo entgegen. 

Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis freigelassen, nach Angaben ihrer Anwälte war ihr zuvor ein Tumor entfernt worden. Die Menschenrechtsaktivistin durfte den Iran nach eigenen Angaben aber nicht verlassen. Im Dezember 2025, also noch vor Beginn der neuen Protestwelle im Iran, wurde sie bei einer Trauerfeier für einen zuvor tot aufgefundenen Anwalt in Maschhad erneut festgenommen.

Mohammadi wurde 1972 in Sandschan im Nordwesten des Iran geboren. Sie studierte Physik, ehe sie Ingenieurin wurde. Parallel dazu begann sie, als Journalistin bei reformorientierten Medien zu arbeiten. In den 2000er Jahren schloss sie sich dem Zentrum für die Verteidigung der Menschenrechte an, das von der iranischen Anwältin und Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi gegründet wurde. Mohammad ist dessen Vizepräsidentin.

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