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Erstes Plus seit 2021: Baugenehmigungen kräftig gestiegen

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Neubau in Frankfurt am Main Bild: AFP

Beim Wohnungsbau geht es wieder aufwärts: Im vergangenen Jahr wurde der Bau von 238.500 Wohnungen genehmigt, fast elf Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Beim Wohnungsbau geht es wieder aufwärts: Im vergangenen Jahr wurde bei den Baugenehmigung zum ersten Mal seit 2021 wieder ein Anstieg verzeichnet, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das Baugewerbe begrüßte den "Positivtrend", wies aber darauf hin, dass der Bedarf an neuen Wohnungen weiterhin groß bleibt. 

Wie das Statistikamt in Wiesbaden ausführte, wurde 2025 der Bau von 238.500 Wohnungen genehmigt, das waren fast elf Prozent mehr als im Vorjahr. 2024 waren die Genehmigungen noch auf den tiefsten Stand seit 2010 gesunken.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Frühindikator für die zukünftige Bauaktivität - und damit auch relevant mit Blick auf den Mangel an Wohnraum in vielen Ballungsgebieten. Entsprechend positiv fiel am Mittwoch das Echo auf den kräftigen Anstieg im vergangenen Jahr aus. Das Plus zeige, "dass die Trendwende im Wohnungsbau begonnen hat", erklärte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) in Berlin. "Die Stimmung in der Branche hat sich verbessert und auch die Investitionen steigen." 

"Der Negativtrend ist gebrochen", erklärte auch der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Felix Pakleppa. "Das ist eine gute Nachricht", kommentierte er - warnte zugleich aber davor, "sich von diesem Plus blenden zu lassen". Im vergangenen Jahr seien nur rund 225.000 Wohnungen fertiggestellt worden, "während wir jährlich mindestens 100.000 Wohnungen mehr bräuchten".

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW wertete die Entwicklung ebenfalls als positives Zeichen. "Aber wir dürfen uns nichts vormachen", erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko. "Gerade in den Großstädten bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt hoch."

Ähnlich äußerte sich auch der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie: "Mit diesem Ergebnis können wir das erste Mal seit drei Jahren eine positive Entwicklung vermelden", teilte Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller mit. "Doch nicht alles, was genehmigt wird, wird auch gebaut", fügte er hinzu.  Der politische Erfolg der Bundesregierung müsse sich deshalb "an den Zahlen der Baufertigstellungen messen lassen".

Bauministerin Hubertz sieht indes die Voraussetzungen dafür gegeben, dass sich der positive Trend auch im Jahr 2026 weiter fortsetzt. "Wir stärken die Branche konsequent", erklärte sie und verwies auf den sogenannten Bau-Turbo der Bundesregierung, der auf schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse abzielt, sowie auf die anstehende Novelle des Baugesetzbuches und Förderprogramme.

Deutlich kritischer wertete der Immobilienverband Deutschland IVD die Entwicklung. Der Wohnungsbau befinde sich in einer "Dauerkrise", monierte IVD-Präsident Dirk Wohltorf. Nötig seien neben schnelleren Genehmigungsverfahren auch "einfachere bauliche Mindeststandards" und eine "spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben", forderte er. "In Baugenehmigungen kann man nicht wohnen."

Besonders stark stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser: Sie legte um 17,2 Prozent auf 44.500 zu. Die Zahl der Zweifamilienhäuser blieb mit 12.600 auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres. In neuen Mehrfamilienhäusern genehmigten die Behörden 12,1 Prozent oder 13.900 mehr Wohnungen als 2024, insgesamt waren es 128.100. Angaben zur Zahl der Baufertigstellungen im vergangenen Jahr will das Bundesamt voraussichtlich am 22. Mai veröffentlichen. 

Konjunkturforscher Sebastian Dullien sieht in den gestiegenen Genehmigungszahlen "ein klares Wendesignal" und "ein weiteres Indiz, dass die Bauwirtschaft die Talsohle durchschritten hat und die Krise der vergangenen fünf Jahre zunehmend hinter sich lässt". 2026 werde der Bau "eine wichtige Rolle dafür spielen, dass sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession herausarbeitet", prognostizierte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). 

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