Großbritannien

Britische Polizei prüft Hinweise auf Privatflugzeuge mit Epstein-Opfern an Bord

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Jeffrey Epstein Bild: AFP

Im Skandal um den verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geht die britische Polizei Hinweisen auf das Einschleusen von Frauen nach Großbritannien mit Privatflugzeugen nach.

Im Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geht die britische Polizei Hinweisen auf das Einschleusen von Frauen nach Großbritannien an Bord von Privatflugzeugen nach. Die Polizei in Essex erklärte am Dienstag, sie überprüfe Informationen, "die nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten des US-Justizministeriums im Zusammenhang mit Privatflügen zum und vom Flughafen Stansted aufgetaucht sind". Den früheren britischen Prinzen Andrew, der in der Affäre massiv unter Druck steht, erwähnte die Polizei nicht.

Die Polizei muss nun prüfen, ob sie offiziell Ermittlungen einleitet. Der Rundfunksender BBC hatte bereits im Dezember berichtet, auf britischen Flughäfen seien zwischen den frühen 1990er Jahren bis 2018 fast 90 Privatflugzeuge Epsteins gestartet oder gelandet. An Bord einiger Maschinen waren demnach auch britische Missbrauchsopfer des US-Finanzberaters.

Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown forderte daraufhin, die Polizei solle mögliche Verbindungen zwischen Andrew Mountbatten-Windsor und Dutzenden Flügen untersuchen, die Jahrzehnte zurückliegen und mit Epstein zusammenhängen. 

Brown, der von 2007 bis 2010 Premierminister war, schrieb vergangene Woche in dem Magazin "New Statesman", ihm sei "privat mitgeteilt" worden, dass bei den Ermittlungen "im Zusammenhang mit dem ehemaligen Prinzen Andrew wichtige Hinweise zu Flügen nicht ordnungsgemäß überprüft" worden seien. Er habe die Polizei daher gebeten, "dies im Rahmen der neuen Ermittlungen zu überprüfen". Offenbar hätten die britischen Behörden bisher "kaum oder gar keine Ahnung, wer durch unser Land geschleust wurde und für wen außer für Epstein".

Andrew, ein Bruder des britischen Königs Charles III., konnte zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

König Charles III. hatte seinem Bruder Andrew wegen des Epstein-Skandals bereits Ende vergangenen Jahres alle Titel und Ehren entzogen, nachdem nach ihrem Suizid posthum die Memoiren des Epstein-Opfers Virginia Giuffre erschienen waren. Giuffre hatte darin detailliert ihren Vorwurf erneuert, der damalige Prinz Andrew habe Sex mit ihr gehabt, als sie erst 17 war. Andrew weist jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein zurück.

In den Ende Januar vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zum Fall Epstein hatte zudem ein weiteres Missbrauchsopfer den Vorwurf erhoben, 2010 von Epstein nach Großbritannien geschickt worden zu sein, um dort mit Andrew in der Royal Lodge Sex zu haben. 

Am 9. Februar hatte die britische Polizei mitgeteilt, dass sie Berichte prüfe, wonach Andrew in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter im Jahr 2010 möglicherweise vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben habe. 

König Charles III. zeigte sich daraufhin "zutiefst besorgt" über die neuen Vorwürfe gegen seinen Bruder. In einer Erklärung des Buckingham Palace sicherte der Monarch der Polizei seine Unterstützung bei möglichen Ermittlungen zu.

Der bis in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft vernetzte Epstein soll mehr als tausend minderjährige Mädchen und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er die Opfer an Prominente weitergereicht haben. Er wurde erstmals 2008 wegen Missbrauchs einer Minderjährigen verurteilt, soll laut FBI aber an der Spitze eines Missbrauchsrings gestanden haben. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals nur eine 18-monatige Haftstrafe.

Nach einer erneuten Festnahme wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen wurde Epstein im August 2019 erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.

Laut neuen Enthüllungen der Zeitung "Financial Times" sollen e-Mails außerdem belegen, dass Andrew während eines offiziellen Besuchs in China bei einem acht Milliarden Dollar schweren Geld-gegen-Öl-Deal zwischen einem chinesischen Staatsfonds und den Herrschern der Vereinigten Arabischen Emirate vermittelte. Dem Bericht zufolge tauschten sich Andrew und ein Banker, mit dem er eng zusammenarbeitete, in zahlreichen Nachrichten mit Epstein über den Plan aus. Der Schriftwechsel begann demnach, während der Sexualstraftäter im Zusammenhang mit seiner Verurteilung 2008 noch unter Hausarrest stand.   

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