Religion

Hildesheimer Bischof Wilmer ist neuer Chef von katholischer Bischofskonferenz

  • AFP
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  • 24. Februar 2026, 16:08 Uhr
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Kreuz auf Kirche Bild: AFP

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Der 64-Jährige gilt als Unterstützer innerkirchlicher Reformprozesse.

Der neue Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, will nach eigenen Worten "Gott ins Zentrum" seines Tuns stellen. Wilmer sagte am Dienstag nach seiner Wahl auf der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Würzburg, es gehe ihm darum, das Evangelium zu verkünden. "Die katholische Kirche ist attraktiv." In verschiedene Gratulationen zu Wilmers Wahl mischte sich Kritik an Äußerungen zum Missbrauchsskandal und zur Frauenweihe.

Wilmer ist Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing, der nach einer Legislaturperiode nicht erneut kandidiert hatte. Der 64-Jährige ist nun für die kommenden sechs Jahre der oberste Repräsentant von fast 20 Millionen Katholiken in Deutschland. Wilmer zählte zum erweiterten Favoritenkreis für Bätzings Nachfolge. Als ein großer Pluspunkt für ihn galt vor der Wahl, dass er fließend Italienisch spricht und über ein gutes Netzwerk im Vatikan verfügt.

Wilmer sagte nach seiner Wahl, die katholische Kirche habe eine schwere Krise hinter sich. Die Kirche sei aber für viele Menschen ein wichtiger Anker. Mit ihrem sozialen Engagement sei die Kirche eine wichtige Säule der Gesellschaft, die katholische Soziallehre sei eine "prophetische Stimme für alle Menschen". Mit Blick auf den vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine forderte Wilmer ein sofortiges Ende des Kriegs. Frieden sei kein ferner Traum. "Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine."

Der 64-jährige Wilmer ist seit 2018 Bischof im niedersächsischen Hildesheim. Wilmer zählt zu den Unterstützern des innerkirchlichen Reformprozesses synodaler Weg, ist allerdings in seinen Positionen eher zurückhaltend. So äußerte er sich nach seiner Wahl vage dazu, wie er die in der katholischen Kirche bisher nicht vorgesehen Weihe von Frauen sieht. "Ich freue mich auf die Überraschungen des Heiligen Geistes", sagte er.

Der Sprecher der gegenüber der Amtskirche kritischen Bewegung Wir sind Kirche, Christian Weisner, kritisierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Wilmer habe bei seinem ersten Auftritt zu den kritischen Themen nur ausweichend gesprochen und verbale "Wattebäusche" geworfen. Er hoffe, dass sich dies bald ändere und Wilmer konkreter werde. "Er wird sehr schnell liefern müssen."

Auch die Organisation Eckiger Tisch, die Betroffene sexuellen Missbrauchs vertritt, kritisierte Wilmer. Dieser habe in seiner ersten Stellungnahme im neuen Amt Betroffenen suggeriert, dass der Schutz der Kirche als Institution über dem Wohl der Betroffenen liege. Wilmer hatte gesagt, Betroffene müssten gehört werden, damit die Kirche glaubwürdig bleibe. Der Eckige Tisch erklärte, es gehe aber nicht um die Glaubwürdigkeit der Kirche, sondern um eine umfassende Aufarbeitung und angemessene Entschädigung.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, erklärte, sie blicke "mit großer Zuversicht" auf die ökumenische Zusammenarbeit mit dem neuen Vorsitzenden. Sie habe Wilmer "als einen in jeder Hinsicht vielsprachigen und aufgeschlossenen, klugen und weltgewandten Gesprächspartner kennengelernt, dem daran liegt, Strukturreformen und geistliche Erneuerung miteinander zu verbinden."

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) erklärte, es freue ihn, dass ein Niedersachse die bedeutende Position übernehme. Wilmer übernehme das Amt in einer für die Kirche nicht leichten Zeit. "Die Ausdrucksformen religiösen Lebens wandeln sich, die unmittelbare Bedeutung der Kirchengemeinden für das tägliche Leben vieler Gläubiger nimmt ab, der Skandal des Missbrauchs hat viel Vertrauen zerstört." Dennoch sei er überzeugt, dass die Kirche eine "bedeutende und unverzichtbare Stimme innerhalb der Gesellschaft und für die Politik" sei.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz gilt als Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Diese ist trotz eines Mitgliederschwunds weiter die stärkste Religionsgemeinschaft in Deutschland, knapp ein Viertel der Bevölkerung ist katholisch.

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