Mit hauchdünnem Vorsprung vor der CDU haben die Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Sie erreichten mit Spitzenkandidat Cem Özdemir 30,2 Prozent, die CDU mit Manuel Hagel kam auf 29,7 Prozent. Beide Parteien haben je 56 Mandate.
Mit hauchdünnem Vorsprung vor der CDU haben die Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen. Wie die Wahlleitung in der Nacht zum Montag in Stuttgart mitteilte, erreichten die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir 30,2 Prozent der Stimmen, während die CDU mit Spitzenkandidat Manuel Hagel auf 29,7 Prozent kam. Beide Parteien erreichten dabei jeweils 56 Mandate.
Auf dem dritten Platz folgte mit 18,8 Prozent - dem besten Ergebnis bislang in einem westdeutschen Bundesland - die AfD. Im Stuttgarter Landtag ist ansonsten nur die SPD vertreten, die mit 5,5 Prozent der Stimmen allerdings ihr bundesweit schlechtestes Ergebnis jemals verbuchte.
Die FDP schied mit 4,4 aus dem einzigen Landesparlament aus, in dem sie bisher immer vertreten war. Die Linke, die in Baden-Württemberg noch nie dem Landtag angehörte, scheiterte mit ebenfalls 4,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 Prozent - nach 63,8 Prozent bei der zurückliegenden Wahl vor fünf Jahren.
Im Vergleich zu 2021 verloren die Grünen von damals 32,6 Prozent 2,4 Prozentpunkte, während die CDU von 24,1 Prozent 5,6 Punkte hinzu gewann. Die SPD sackte von 11,0 Prozent um 5,5 Punkte ab, die AfD verdoppelte sich von 9,7 Prozent um 9,1 Punkte nahezu. Die FDP hatte zuletzt 10,5 Prozent geholt und verlor 6,1 Punkte.
Im neuen Landtag erhalten sowohl die Grünen als auch die CDU laut Wahlleitung jeweils 56 Mandate. Die AfD kommt demnach auf 35 Sitze, während zehn Mandate an die SPD gehen. Eine Koalition abseits der AfD ist damit nur zwischen Grünen und CDU möglich. Zusammen haben beide Parteien eine Zweidrittelmehrheit.
Grüne und CDU regieren in Stuttgart bereits seit zehn Jahren zusammen - unter dem bislang bundesweit einzigen Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der nicht wieder antrat. Kretschmann hatte bereits ab 2011 eine Koalition mit der SPD angeführt, war also 15 Jahre im Amt.
Grünen-Kandidat Özdemir stellte die Fortsetzung der Koalition mit der CDU in Aussicht. Er hoffe darauf, das Bündnis "auf Augenhöhe" fortzusetzen, sagte er am Wahlabend. Vor Anhängern sprach er von einer "fulminanten Aufholjagd" seiner Partei, die in den Umfragen vor der Wahl zunächst lange hinter der CDU gelegen hatte.
CDU-Kandidat Hagel sprach von einem bitteren Abend. Seine Partei habe im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl zwar klar gewonnen, betonte er. "Aber wir haben nicht das gewonnen, was wir gewinnen wollten". Hagel kritisierte zudem einen "Schmutzwahlkampf" der Grünen "deutlich unter der Gürtellinie" kurz vor der Wahl.
Die Landes- und Fraktionsvorsitzeden von SPD und FDP, Andreas Stoch und Hans-Ulrich Rülke, kündigten nach den schwachen Ergebnissen ihrer Parteien persönliche Konsequenzen an. Der AfD-Landeschef und -Ministerpräsidentenkandidat Markus Frohnmaier zeigte sich "stolz" über das Resultat seiner Partei.
Erstmals gab es bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg eine Erst- und eine Zweitstimme. Die CDU holte die meisten der 70 Direktmandate, 13 gingen an die Grünen und eines in Mannheim an die AfD. Bei den Zweitstimmen lag die CDU in gut der Hälfte der Wahlkreise vorn, sonst die Grünen und in Pforzheim die AfD.
