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Aufwärtstrend bei Baugenehmigungen setzt sich auch im Januar fort

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Baustelle in Berlin Bild: AFP

Bei der Zahl der Baugenehmigungen hat sich der Positivtrend auch zu Jahresbeginn fortgesetzt. Risiken für die künftige Entwicklung gibt es aber durch die möglichen Auswirkungen des Iran-Krieges.

Bei der Zahl der Baugenehmigungen hat sich der Positivtrend auch zu Jahresbeginn fortgesetzt. Im Januar wurden 8,4 Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie warnte indes, dass sich derzeit neue Risiken ergeben: Von steigenden Kraftstoffpreisen infolge des Iran-Krieges seien die Unternehmen der Branche "unmittelbar betroffen".

Dem Statistischen Bundesamt zufolge wurde im Januar der Bau von insgesamt 19.500 Wohnungen genehmigt, die meisten davon (16.400) im Neubau. Besonders kräftig legte die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser zu: Sie stieg um 26,1 Prozent auf 1200; bei Einfamilienhäusern waren es mit 3800 Genehmigungen 12,6 Prozent mehr. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 10.500 Neubauwohnungen - 7,1 Prozent mehr als im Januar 2025.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Frühindikator für die zukünftige Bauaktivität - und damit auch wichtig mit Blick auf den Mangel an Wohnraum in vielen Ballungsgebieten. Einen Aufwärtstrend hatte es bereits zuletzt gegeben: Für das Gesamtjahr 2025 wurde erstmals seit 2021 wieder ein Anstieg verzeichnet, auf insgesamt 238.500 genehmigte Wohnungen, elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) begrüßte das Plus im Januar, sieht aber weiterhin großen Bedarf. "Der Markt sendet weiter positive Signale, das ist zunächst gut", erklärte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. "Aber wir kommen auch von einem extrem niedrigen Niveau", fügte er hinzu. "Angesichts des viel größeren Bedarfs müssten es mindestens rund 10.000 Genehmigungen pro Monat mehr sein."

Auch der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko, begrüßte die neuen Zahlen als "gutes Zeichen". Der Vergleich mit früheren Jahren verdeutliche aber, wie groß der Rückstand weiterhin sei. "Wir liegen nach wie vor deutlich unter dem Niveau, das nötig wäre, um den Wohnungsbedarf zu decken." Erforderlich seien deshalb unter anderem schnellere Verfahren, mehr Planungssicherheit und dauerhaft niedrige Zinssätze für Förderprogramme.

Der Hauptverband der Bauindustrie verwies zudem darauf, dass sich seit Beginn des Krieges im Nahen und Mittleren Osten die Spritpreise "stark erhöht" hätten. "Da rund 40 Prozent des Energieverbrauchs im Baugewerbe auf Diesel entfällt, sind die Unternehmen unmittelbar betroffen", erklärte Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. "Sollte die Situation weiter anhalten, müssen Lösungen gefunden werden, damit die Risikolast fair verteilt und getragen werden kann."

Risiken durch den Iran-Krieg sieht auch der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. Zum einen werde die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts des Aufwärtsdrucks bei der Inflation "nun mit weiteren Zinssenkungen zurückhaltender sein", prognostizierte er. "Zieht sich der Krieg hin und steigen die Ölpreise weiter, ist auch nicht ausgeschlossen, dass die EZB die Zinsen erhöht." Dies führe zu höheren Bauzinsen, "was Wohnungsbau weniger bezahlbar macht".

Gedämpft werden könne die Bauaktivität zudem über die verfügbaren Einkommen, führte der IMK-Forscher aus. "Wenn die Menschen wegen gestiegener Energiepreise weniger Kaufkraft haben, bleibt auch weniger Spielraum zum Bau eines Eigenheims."  Sollte der Krieg hingegen "nur wenige Monate dauern und ohne langfristige Schäden für das globale Rohölangebot bleiben, dürfte der Wohnungsbau im laufenden Jahr spürbar zum Wachstum in Deutschland beitragen", erklärte Dullien.

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