Paris und Marseille bleiben links: In den beiden größten Städten Frankreichs setzten sich in der zweiten Runde der Kommunalwahl heute Kandidaten der Linken durch.
Paris und Marseille bleiben links und die Rechtspopulisten schneiden schlechter ab als erwartet: Bei der zweiten Runde der französischen Kommunalwahl haben die Wahlberechtigten in 1600 Kommunen über ihren Bürgermeister oder ihre Bürgermeisterin entschieden. Der 48 Jahre alte Sozialist Emmanuel Grégoire zieht Hochrechnungen zufolge ins Pariser Rathaus ein. Er fuhr noch am Abend mit einem Leihfahrrad zum Rathaus - und gab im Fahren erste Interviews.
Grégoire war lange die rechte Hand der bisherigen Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und will deren klima- und fahrradfreundliche Politik fortsetzen. Er will zudem leerstehende Büroräume zu Sozialwohnungen machen. Der mehrfache Marathonläufer gilt als kompetent, aber wenig charismatisch.Â
Grégoire setzte sich gegen die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati durch, die sich im September in einem Korruptionsprozess verantworten muss. Sie war vom Regierungslager unterstützt worden. Präsident Emmanuel Macron bestritt allerdings öffentlich Medienberichte, nach denen er sich persönlich für sie eingesetzt hatte.
In Marseille sicherte sich der linke Amtsinhaber Benoît Payan seine Wiederwahl. Er besiegte den rechtspopulistischen Kandidaten Franck Allisio, mit dem er in den Umfragen zeitweise gleichauf gelegen hatte. Der taktische Rückzug des linkspopulistischen Kandidaten dürfte Payan zusätzliche Stimmen eingebracht haben.Â
Der rechtspopulistische Rassemblement National (RN) scheiterte auch in der südfranzösischen Hafenstadt Toulon, wo die RN-Kandidatin Laure Lavalette in den Umfragen lange vorn gelegen hatte. Dort wurde die konservative Amtsinhaberin Josée Massi im Amt bestätigt.Â
RN-Parteichef Jordan Bardella sprach von "dem größten Durchbruch in der Geschichte" seiner Partei. Der RN habe "mehrere Dutzend" Städte erobert. "Der RN und seine Verbündeten hatten nie zuvor so viele Gemeinderäte", erklärte er.Â
Der RN-Abgeordnete Laurent Jacobelli sprach von rund 30 Städten, in denen der RN sich durchgesetzt habe. Dazu zählten etwa die südfranzösischen Orte Orange, Carcassonne und Carpentras sowie der nordfranzösische Ort Liévin. Auch in Menton, wo Louis Sarkozy, der Sohn des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy angetreten war, gewann die RN-Kandidatin.
In der südfranzösischen Stadt Nizza setzte sich der mit dem RN verbündete Kandidat Eric Ciotti durch. Ciotti war früher Parteichef der Republikaner gewesen und hatte sich dann mit dem RN verbündet.
Bei der vorherigen Wahl 2021 hatten die Grünen überraschend mehrere Rathäuser erobert, damals war von einer grünen Welle die Rede gewesen. Mehrere von ihnen verloren sie nun wieder, etwa in Straßburg, Poitiers und Besançon. In Lyon wurde der grüne Bürgermeister hingegen im Amt bestätigt.
Im nordfranzösischen Le Havre sicherte sich der ehemalige Premierminister Edouard Philippe die Wiederwahl als Bürgermeister - und damit möglicherweise ein Sprungbrett in den Elysée. Philippe will 2027 bei der Präsidentschaftswahl antreten und hatte seine Kandidatur an eine erfolgreiche Wiederwahl in Le Havre geknüpft.
Das Duell zwischen Hittler und Zielinski im ostfranzösischen Ort Arcis-sur-Aube, das international Schlagzeilen gemacht hatte, gewann der parteilose Kandidat Charles Hittler. Ihm unterlag der von einer Rechtsaußenpartei unterstützte Antoine Renault-Zielinski.
Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl galt die Kommunalwahl als wichtiger Stimmungstest - auch wenn die Ergebnisse häufig sehr mit den lokalen Gegebenheiten zu tun haben und zudem viele parteilose Kandidatinnen und Kandidaten antraten.Â
In den meisten der 35.000 Kommunen war die Wahl schon in der ersten Runde am vergangenen Sonntag entschieden worden. Nur in etwa 1600 Kommunen, vor allem in den Großstädten wurde an diesem Sonntag erneut abgestimmt. Die Wahlberechtigten wählen zunächst nur die Gemeinde- und Stadträte. Diese wählen dann in ihrer ersten Sitzung den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin - die sogenannte dritte Runde der Kommunalwahl, die als Formsache gilt.
