Die italienische Wettbewerbsbehörde hat eine Untersuchung gegen den französischen Luxuskonzern LVMH und seine Kosmetikfirmen Sephora und Benefit wegen des Verkaufs von für Erwachsene bestimmte Kosmetikartikeln an Kinder und Jugendliche eingeleitet.
Die italienische Wettbewerbsbehörde hat wegen des Verkaufs von Kosmetikartikeln an Kinder und Jugendliche eine Untersuchung gegen den französischen Luxuskonzern LVMH und seine Kosmetikfirmen Sephora und Benefit eingeleitet. Wie die Wettbewerbsbehörde AGCM am Freitag mitteilte, geht es um mutmaßlich fehlende oder irreführende Informationen in Geschäften und Online-Shops, um eine "frühzeitige Nutzung" von Anti-Aging-Cremes und anderen "Kosmetika für Erwachsene" durch Kinder und Jugendliche zu fördern.
Die Behörde überprüft nach eigenen Angaben insbesondere "Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen im Zusammenhang mit Kosmetika, die nicht für Minderjährige bestimmt sind oder nicht an ihnen getestet wurden", vor allem bei den Produktreihen Sephora Collection und Benefit Cosmetics. Sie wirft den Unternehmen außerdem vor, sich "sehr junger" Influencerinnen zu bedienen, um junge und damit besonders schutzbedürftige Menschen zum "zwanghaften Kauf von Kosmetika" zu verleiten.
Mit dieser Marketing-Strategie seien Kinder im Alter von noch nicht einmal zehn bis zwölf Jahren dazu gebracht worden, Gesichtsmasken, Seren und Anti-Aging-Cremes zu kaufen, erklärte die Behörde, die auch auf mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder verweist.
Bereits am Donnerstag wurden den Angaben zufolge Räumlichkeiten von Sephora und LVMH in Italien durchsucht. Am Ende der Verfahren kann die Behörde Bußgelder gegen die Unternehmen verhängen.
Die Unternehmen kündigten in einer gemeinsamen Stellungnahme an, "vollumfänglich mit den Behörden zusammenzuarbeiten". Die einschlägigen italienischen Vorschriften halten sie nach eigenen Angaben "strikt" ein.
Auch viele andere Kosmetikhersteller haben Kinder als Zielgruppe entdeckt und bieten etwa Feuchtigkeitsmasken oder Gesichtswasser mit Einhörnern, Pandas oder Hundewelpen auf der Verpackung an. Dabei brauchen Kinder gar keine Kosmetik, sondern nur Hygieneartikel wie Zahnpasta oder Duschgel und Sonnencreme, wie die Kosmetik-Expertin Laurence Coiffard von der Universität in Nantes der Nachrichtenagentur AFP sagte.
Kosmetikprodukte für Erwachsene, die voller chemischer Inhaltsstoffe stecken, können wissenschaftlichen Studien zufolge für Kinder sogar gesundheitsschädlich sein: Die Professorin Coiffard warnt etwa vor Störungen des Hormonhaushalts und Hautallergien.
Zudem zementiert der Kosmetik-Trend auch problematische Schönheitsideale: Die Expertin Molly Hales von der Northwestern University in Chicago warnt etwa davor, eine "sehr teure und zeitaufwendige" Körperpflege mit eine Vielzahl von Produkten zu normalisieren.
Hales hatte sich für eine 2025 veröffentlichte Studie zusammen mit ihrer Kollegin Sarah Rigali mehrere Monate lang auf Tiktok als 13-jähriges Mädchen ausgegeben. In den Videos, die den Forscherinnen angezeigt wurden, wurden im Durchschnitt sechs Produkte vorgestellt - häufig Anti-Aging-Cremes für Erwachsene mit einem Preis von durchschnittlich 145 Euro.
