Am ersten Tag nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die israelische Armee ihre Angriffe im Libanon verstärkt. Bei den massiven Angriffen wurden mindestens 182 Menschen getötet und 890 weitere verletzt.
Am ersten Tag nach der Vereinbarung einer Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die israelische Armee ihre Angriffe im Libanon verstärkt. Bei den massiven Angriffen wurden mindestens 182 Menschen getötet und 890 weitere verletzt, wie das libanesische Gesundheitsministerium am Mittwoch mitteilte. Israel erklärte, die Waffenruhe gelte nicht für den Libanon. US-Präsident Donald Trump bestätigte dies. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängte dazu, den Libanon in die Waffenruhe einzubeziehen.
Die Hauptstadt Beirut erlebte die heftigsten Angriffe seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. Die Zahl des Todesopfer könne weiter steigen, erklärte das libanesische Gesundheitsministerium.
Nach einer Serie von gleichzeitigen Angriffen auf Viertel in Beirut am Nachmittag flog die israelische Armee auch am Abend Angriffe, darunter auf ein Gebäude im Gebiet Tallet El-Chajat. Dort stürzte nach Angaben eines AFP-Fotografen ein Wohngebäude teilweise ein. AFP-Journalisten beobachteten Szenen der Panik, als mehrere Angriffe während der Hauptverkehrszeit das Zentrum von Beirut trafen. Staatlichen libanesischen Medien zufolge griff Israel am Abend auch die südlichen Vororte von Beirut an.
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte den Donnerstag zum Tag der Trauer "für die Märtyrer und Verwundeten der israelischen Angriffe", die sich "gegen Hunderte unschuldiger, wehrloser Zivilisten" gerichtet hätten. Öffentliche Verwaltungen sollten geschlossen und Flaggen auf Halbmast gesetzt werden. Alle politischen und diplomatischen Ressourcen des Libanon würden mobilisiert, "um die israelische Tötungsmaschine zu stoppen".
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte zuvor erklärt, die israelischen Streitkräfte hätten landesweit "einen Überraschungsangriff auf hunderte Hisbollah-Mitglieder ausgeführt". Es sei "der schwerste Schlag, den die Hisbollah seit der Operation 'Beepers' erlitten hat", sagte Katz. Er bezog sich dabei auf von Israel organisierte Angriffe im Jahr 2024, bei denen Pager und Walkie-Talkies hunderter Hisbollah-Mitglieder im Libanon explodierten und viele von ihnen töteten.
Nach mehr als fünf Wochen Krieg hatten sich die USA und der Iran am Dienstag auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. US-Präsident Donald Trump verkündete die Einigung in der Nacht zum Mittwoch MESZ. Die israelische Regierung erklärte, die Feuerpause zu unterstützen, diese gelte aber anders als vom Vermittler Pakistan verkündet nicht für den Kampf gegen die Hisbollah im Libanon. Trump bestätigte dies später.
Frankreichs Präsident Macron drängte Trump und den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian in Telefonaten dazu, die Waffenruhe auf den Libanon auszuweiten. Dies sei aus seiner Sicht eine "notwendige Voraussetzung" dafür, dass sie "glaubwürdig und dauerhaft" sei, erklärte Macron im Onlinedienst X. Er betonte zudem, dass Frankreich "seinen vollen Beitrag" zur Schaffung eines "stabilen und dauerhaften Friedens" im Nahen Osten leisten werde.
Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigte sich angesichts der Angriffe im Libanon entsetzt. "Das Ausmaß der Tötungen und der Zerstörung heute im Libanon ist schlichtweg grauenhaft", erklärte Türk. "Ein solches Blutbad, nur wenige Stunden nach der Vereinbarung eines Waffenstillstands mit dem Iran, ist kaum zu fassen", fügte er hinzu.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erklärte, es sei "empört über den verheerenden Tod und die Zerstörung" in dicht besiedelten Gebieten im Libanon. Der Notfallkoordinator der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im Libanon, Christopher Stokes, erklärte, "diese wahllosen Angriffe auf dicht besiedelte Gebiete sind völlig inakzeptabel". Er forderte, die "unablässigen Angriffe auf Zivilisten" sowie die "wiederholten Vertreibungen von Menschen" müssten aufhören.
Die radikalislamische Hisbollah erklärte, sie habe das "Recht", auf die israelische Angriffswelle zu reagieren. "Wir versichern, dass das Blut der Märtyrer und der Verletzten nicht umsonst vergossen worden sein wird", erklärte die vom Iran unterstützte Miliz. "Die heutigen Massaker, wie alle Aggressionen und brutalen Verbrechen", bestätigten "unser natürliches Recht, Widerstand gegen die Besatzer zu leisten und auf ihre Aggression zu antworten", hieß es in einer Mitteilung.
