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Wissenschaftler entdecken Hefe in Darm von Ötzi - und backen Brot daraus

  • AFP
  • In UMWELT
  • 3. Juni 2026, 17:42 Uhr
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Nachbildung von Ötzi in einem Museum in Bozen Bild: AFP

Rund 5300 Jahre nach dem Tod von Ötzi haben Wissenschaftler Hefe im Darm des Gletschermanns gefunden - und Brot daraus gebacken. Die Studie weist aber auch auf ernsthaftere Anwendungsmöglichkeiten hin.

Rund 5300 Jahre nach dem Tod von Ötzi haben Wissenschaftler Hefe im Darm des Gletschermanns gefunden - und Brot daraus gebacken. Einer am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Microbiome" veröffentlichten Studie eines in Italien ansässigen Teams zufolge blieben sowohl uralte als auch neue Mikroorganismen in dem gefrorenen Körper aktiv. "Was wir nicht erwartet hatten, war Hefe", sagte der leitende Studienautor Mohamed Sarhan vom Eurac-Forschungsinstitut in der italienischen Stadt Bozen der Nachrichtenagentur AFP.

Die Fachleute entdeckten vier verschiedene Hefen, die Minustemperaturen überleben können, in Ötzis Darm, auf seiner Haut und in dem Wasser, das von seinem Körper abtropfte, als er teilweise auftaute. Diese Hefearten leben nur unter sehr kalten Bedingungen wie in der Antarktis oder in den Alpen. Daher wird angenommen, dass sie nach seinem Tod in Ötzis Körper gelangt sind.

"Diese Hefepilze haben Ötzi auf seiner langen Reise durch die Jahrtausende begleitet", erklärte der Mitautor der Studie, Frank Maixner. Die Wissenschaftler vermehrten die Darmhefe anschließend in einem Kühlschrank. "Wenn man jemandem erzählt, dass man Hefe hat, wird sofort gefragt: Kann man damit Brot backen?", sagte Sarhan. Daher versuchten die Wissenschaftler, ein Sauerteigbrot zu backen.

Zu Beginn habe dies nicht funktioniert, sagte der Forscher. Doch nach drei Monaten Bemühungen "hatten wir einen sehr, sehr guten Sauerteig", sagte Sarhan und lachte.

Auf die Frage, ob die Wissenschaftler erwägen, die Hefe zum Bierbrauen zu verwenden, antwortete Sarhan: "Das steht auf der Liste."

Die Studie weist aber auch auf ernsthaftere Anwendungsmöglichkeiten für die Hefe hin. Als die Mumie 1991 gefunden wurde, wurde sie zunächst wie eine normale Leiche behandelt. Die Chemikalie Phenol wurde verwendet, um das Wachstum von Pilzen in den sterblichen Überresten zu verhindern. Die Hefe war jedoch in der Lage, das Phenol abzubauen. Das bedeutet den Wissenschaftlern zufolge, dass sie in Zukunft dazu beitragen könnte, die Chemikalie in kontaminierter Umgebung abzubauen.

Die Hefe war allerdings nicht die einzige überraschende Entdeckung in Ötzis Körper. Eine Analyse seines Mikrobioms ergab eine bestimmte Art von Darmbakterien, die bei modernen Menschen fast nicht mehr vorkommt. Obwohl es aus dem Magen-Darm-Bereich der Menschen in Industrienationen verschwunden ist, wurde das Bakterium in Afrika und Südamerika nachgewiesen, sagte Sarhan.

Ötzi war 1991 von zwei Deutschen in einem Gletscher in den italienischen Alpen entdeckt worden. Der Fund der gut erhaltenen Mumie war eine archäologische Sensation; seitdem versuchen die Wissenschaftler mit Hilfe modernster Techniken, seinem Leben und Sterben vor rund 5300 Jahren auf die Spur zu kommen.

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