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„Finanzierung sollte Dynamik ermöglichen, nicht bremsen“, sagt Gion van den Bogaert, Co-Founder und CEO des niederländischen Kreditgebers Floryn. Denn Liquidität ist für viele Mittelständler eine Frage des richtigen Moments. Mit digitalen Kreditlinien will Floryn auch in Deutschland eine Lücke schließen, die klassische Bankprozesse bei kurzfristigem Kapitalbedarf oft offenlassen.
Interview mit Gion van den Bogaert, Co-Founder und CEO von Floryn
Herr van den Bogaert, in welchen Situationen benötigen kleine und mittlere Unternehmen besonders schnell zusätzliche Liquidität?
Kurzfristiger Kapitalbedarf entsteht häufig nicht deshalb, weil ein Unternehmen schlecht dasteht. In vielen Fällen ist sogar das Gegenteil der Fall. Ein neuer Auftrag muss vorfinanziert werden, Waren müssen eingekauft werden, eine saisonale Spitze steht bevor oder ein Unternehmen möchte eine Wachstumschance nutzen. Auch verspätete Kundenzahlungen können kurzfristig Druck erzeugen.
Viele Unternehmer kennen solche Situationen sehr gut. Das Geschäft läuft, aber Liquidität und Timing passen nicht immer zusammen. Genau dann ist es wichtig, handlungsfähig zu bleiben. Unternehmen, die wochenlang auf eine Finanzierung warten müssen, verpassen möglicherweise Chancen oder geraten unnötig unter Druck.
Für genau solche Situationen wurde Floryn entwickelt. Wir wollen Unternehmern Zugang zu Liquidität geben, wenn das Geschäft sie tatsächlich braucht – und nicht erst dann, wenn ein klassischer Prozess endlich abgeschlossen ist. Die Idee ist einfach: Finanzierung sollte Dynamik ermöglichen, nicht bremsen.
Worauf sollten Unternehmen achten, bevor sie kurzfristiges Kapital aufnehmen?
Der wichtigste Punkt ist, dass der Kapitalbedarf so konkret wie möglich geplant werden sollte. Unternehmen sollten wissen, wofür sie die Finanzierung benötigen, wie viel Liquidität tatsächlich erforderlich ist und wann der Bedarf voraussichtlich wieder sinkt. Kurzfristige Finanzierung sollte zu einer konkreten geschäftlichen Situation passen und nicht pauschal aufgenommen werden.
Unternehmen sollten außerdem auf Flexibilität achten. Nicht jeder Bedarf lässt sich sinnvoll mit einem starren Kredit abdecken. Wenn ein Unternehmen zusätzliche Liquidität nur vorübergehend benötigt, kann eine Kreditlinie sinnvoller sein, bei der Zinsen nur auf den tatsächlich genutzten Betrag anfallen. Transparente Kosten, einfache Rückzahlungsmöglichkeiten und ein Anbieter, der die Alltagsrealität von KMU versteht, sind ebenfalls wichtig.
Bei Floryn zeigt sich das in flexiblen Kreditlinien, die Unternehmen bei Bedarf abrufen und zurückzahlen können, wenn sich die Liquidität verbessert. Unternehmer müssen nicht den gesamten Betrag auf einmal aufnehmen. Sie können Finanzierung eher wie einen Working-Capital-Puffer nutzen, der sich dem Rhythmus ihres Geschäfts anpasst.
Warum sind klassische Bankkredite bei kurzfristigem Bedarf oft schwierig?
Banken spielen weiterhin eine wichtige Rolle in der Unternehmensfinanzierung. Doch bei kurzfristigen, kleineren oder unregelmäßigen Bedarfen passen klassische Prozesse oft nicht besonders gut zur Realität vieler KMU. Die Prüfung kann lange dauern, Unterlagen müssen mitunter mehrfach eingereicht werden und Entscheidungen fallen nicht immer schnell genug.
Für Unternehmer ist das ein Problem, weil Kapitalbedarf häufig an konkrete Zeitfenster gebunden ist. Ein Händler muss Waren einkaufen, bevor die Saison beginnt. Ein Bauunternehmen muss Material vorfinanzieren, bevor das Projekt abgerechnet wird. Ein Dienstleister muss Personal einsetzen, bevor der Kunde zahlt. In solchen Situationen entscheidet vor allem, ob die Finanzierung rechtzeitig verfügbar ist.
Das bedeutet nicht, dass Banken nicht relevant sind. Aber KMU benötigen zunehmend zusätzliche Finanzierungsoptionen, die bei kleineren, wiederkehrenden oder unregelmäßigen Liquiditätsbedarfen schneller und flexibler sind. Genau hier können digitale Kreditgeber wie Floryn die bestehende Finanzierungslandschaft ergänzen.
Für welche Unternehmen eignet sich eine flexible Kreditlinie besonders?
Eine flexible Kreditlinie eignet sich besonders für Unternehmen, deren Liquiditätsbedarf schwankt. Das gilt zum Beispiel für Handel, E-Commerce, Bau, Transport, IT-Dienstleistungen oder andere projektbasierte Geschäftsmodelle. In diesen Bereichen entstehen häufig Situationen, in denen kurzfristig Kapital benötigt wird, während der Bedarf nicht dauerhaft hoch bleibt.
Der Vorteil einer Kreditlinie liegt darin, dass Unternehmen nicht jedes Mal einen neuen Kreditprozess starten müssen. Sie haben Zugang zu Liquidität, wenn sie benötigt wird, und können Rückzahlungen flexibel an ihre Geschäftsentwicklung anpassen. Für viele KMU entspricht das eher der Realität ihres Geschäfts als ein klassischer Kredit mit fester Laufzeit und starren Auszahlungen.
In Deutschland konzentriert sich Floryn auf Kreditlinien zwischen 10.000 und 250.000 Euro, weil in diesem Bereich viele alltägliche Liquiditätsbedarfe entstehen. Diese Größenordnung ist groß genug, um für ein KMU operativ einen echten Unterschied zu machen, aber häufig zu klein oder zu zeitkritisch für einen langwierigen klassischen Kreditprozess.
Was ist Ihr wichtigster Rat an KMU, die ihre Finanzierung besser aufstellen wollen?
Unternehmen sollten sich nicht erst dann mit Finanzierung beschäftigen, wenn der Druck bereits sehr hoch ist. Es ist sinnvoll, frühzeitig zu prüfen, welche Optionen verfügbar sind und welche Finanzierungsform zum eigenen Geschäftsmodell passt. Liquidität ist nicht nur ein Krisenthema, sondern ein Instrument, das Unternehmen hilft, unternehmerisch handlungsfähig zu bleiben.
Mein Rat ist außerdem, Finanzierungsanbieter nicht ausschließlich nach dem Preis zu bewerten.
Geschwindigkeit, Transparenz, Flexibilität und Verlässlichkeit sind ebenso wichtig. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen Lösungen, die zu ihrem Geschäftsalltag passen. Gute Finanzierung sollte Unternehmertum ermöglichen, nicht ausbremsen.
Aus unserer Erfahrung mit tausenden KMU ist eines klar: Unternehmer wollen keine Theorie, sie wollen Klarheit und Geschwindigkeit. Sie wollen wissen, was möglich ist, was es kostet und wie schnell sie handeln können. Deshalb verbindet Floryn einen digitalen Antragsprozess mit direkter Kommunikation: schnell, wo es möglich ist, persönlich, wo es wichtig ist.
Über Gion van den Bogaert
Gion van den Bogaert ist Co-Founder und CEO von Floryn, einem niederländischen technologieorientierten Kreditgeber für kleine und mittlere Unternehmen. Floryn bietet flexible Unternehmenskreditlinien auf Basis digitaler Prozesse und Banktransaktionsdaten. Das Unternehmen hat mehr als 110.000 Kreditanträge bearbeitet und mehr als 519 Millionen Euro für KMU finanziert. Nach dem Start in den Niederlanden im Jahr 2016 bringt Floryn sein Modell nun auf den deutschen Markt.
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