Der Mediziner und Erfinder der Plastination, Gunther von Hagens, ist tot. Er sei im Alter von 81 Jahren gestorben, teilten die Familie und das von ihm gegründete Institut für Plastination in Heidelberg mit.
Der Mediziner und Erfinder der Plastination, Gunther von Hagens, ist tot. Er sei am Freitag im Alter von 81 Jahren gestorben, teilten die Familie und das von ihm gegründete Institut für Plastination am Montag gemeinsam in Heidelberg mit. Hagens litt seit 2008 an Parkinson.
Von Hagens ist Schöpfer der "Körperwelten"-Ausstellungen, die anhand von plastinierten Verstorbenen die Anatomie des menschlichen Körpers zeigen. Die Präparate stammen von Menschen, die zu Lebzeiten verfügt haben, ihren Körper nach dem Tod dafür zur Verfügung zu stellen. Dies sei auch von Hagens Wunsch gewesen, hieß es in der Mitteilung. "Seine Angehörigen werden diesen Wunsch respektieren und ausführen."
Von Hagens wurde am 10. Januar 1945 im heutigen Polen geboren und wuchs in der DDR auf. Nach einem Fluchtversuch wurde er inhaftiert und später von der Bundesrepublik freigekauft. Nach seinem Medizinstudium erfand er 1977 an der Universität Heidelberg die Plastination.
In den "Körperwelten"-Ausstellungen sind konservierte Leichen sowie Körperteile zu sehen. Besucher können die Ganzkörperpräparate dort etwa beim Pokern, Federballspielen oder sogar beim Geschlechtsverkehr betrachten. Dies sorgte auch immer wieder für Kritik, so wurde Hagens neben Voyeurismus auch ein kommerzielles Interesse am Tod vorgeworfen.
"Gunther wollte den Menschen den Blick unter die Haut ermöglichen - nicht aus Sensationslust, sondern aus der tiefen Überzeugung heraus, dass Wissen über den eigenen Körper zu einem bewussteren, gesünderen und verantwortungsvolleren Leben beitragen kann", erklärte hingegen Hagens' Ehefrau und "Körperwelten"-Kuratorin Angelina Whalley. "Sein Werk war wissenschaftlich, aufklärerisch und zutiefst humanistisch. Er hat Millionen Menschen dazu gebracht, den eigenen Körper mit anderen Augen zu sehen."
Präpariert werden die Leichen seit 2006 im sogenannten Plastinarium im brandenburgischen Guben. Die Präparate würden weltweit in Universitäten, medizinischen Hochschulen und Bildungseinrichtungen für die Ausbildung von Medizinern eingesetzt, hieß es in der Mitteilung vom Montag. Hagens habe mit seinem Verfahren der medizinischen Lehre, der Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit "einen völlig neuen Blick auf den menschlichen Körper" ermöglicht.
