Die Schäden an einem renovierten Wasserbecken in Washington sind laut Justiz anders als von US-Präsident Trump angegeben nicht durch Vandalismus entstanden - sondern durch Pfusch. Das Verfahren gegen den Ex-Olympiateilnehmer Hearn wurde eingestellt.
Die Posse um das unter Aufsicht von Donald Trump renovierte Wasserbecken in Washington hat eine für den US-Präsidenten unrühmliche Wendung genommen: Entgegen der Aussagen Trumps entstanden die Schäden an dem Becken laut Staatsanwaltschaft nicht durch Vandalismus, sondern durch Pfusch bei den Renovierungsarbeiten. Trump hatte einen befreundeten Unternehmer mit der Renovierung beauftragt - das Becken, das zu den 250-Jahr-Feiern "amerikaflaggen-blau" leuchten sollte, war jedoch umgehend wieder veralgt.
Im "Reflecting Pool" spiegeln sich der Riesenobelisk zu Ehren des früheren Präsidenten George Washington und auf der anderen Seite das Monument zu Ehren des ehemaligen Präsidenten Abraham Lincoln. Nach dem von Trump veranlassten Neuanstrich des Beckens in Schwimmbadfarbe waren nicht nur umgehend die Algen zurückgekehrt, sondern es hatte sich teils auch der Bodenbelag abgelöst.
Der darüber erzürnte Präsident machte "Vandalen" für den unschönen Anblick verantwortlich, die Staatsanwaltschaft leitete in der Folge ein Verfahren gegen den früheren US-Olympioniken David Hearn ein, dem vorgeworfen wurde, den "Reflecting Pool" mutwillig beschädigt zu haben.
Am Freitag stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren jedoch ein: Neue Erkenntnisse zu den Schäden am Wasserbecken vor dem Lincoln Memorial "untergraben die Beweisgrundlage für die Anklage", erklärte Bundesanwältin Jeanine Pirro. Die Unterlagen zeigten, dass die Schäden auf eine "fehlerhafte Installation und nicht Vandalismus" zurückzuführen seien.
Hearn, der als Kanute drei Mal für die USA an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte, war am 19. Juni festgenommen und unter anderem auf der Grundlage von Zeugenaussagen wegen schwerer Sachbeschädigung angeklagt worden. Der 67-Jährige wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, er habe lediglich während einer Fahrradtour an dem Wasserbecken angehalten, um sich die von Trump beauftragten Arbeiten selbst anzusehen.
Sein Anwalt Norm Eisen warf dem US-Präsidenten vor, unschuldige Bürger zum "Sündenbock" für verpfuschte Renovierungsarbeiten zu machen. Ferner erklärten Hearns Anwälte, die Einstellung des Verfahrens mache "den Missbrauch staatlicher Macht bei der Festnahme und Anklage eines patriotischen Amerikaners, der nichts Unrechtes getan hat, nicht ungeschehen". Trumps Regierung müsse sich bei ihrem Mandanten entschuldigen.
Der US-Präsident selbst ging nach der Entscheidung auf die Bundesanwältin los: "Ich bin vollkommen anderer Meinung als Jeanine Pirro (...) Ich weiß nicht, was ihr durch den Kopf gegangen ist!", schrieb er am Samstag in seinem Onlinedienst Truth Social. "Vielleicht gab es Probleme mit dem Bauunternehmer, aber der Hauptschaden wurde von Vandalen verursacht!", behauptete der 80-Jährige weiterhin.
Presseberichten zufolge kostete die Renovierung kurz vor den 250-Jahr-Feiern der USA am 4. Juli rund 14 Millionen Dollar (gut zwölf Millionen Euro). Den Auftrag erhielt ein mit Trump befreundeter Unternehmer ohne jede öffentliche Ausschreibung. Dasselbe Unternehmen soll die Schäden nun beheben.
Dass sich der Bodenbelag löste, könnte mit der Einleitung von Chemikalien zu tun haben, mit denen die unmittelbar nach Wiedereröffnung des Beckens aufgetretenen Algen bekämpft werden sollten. Diese färbten das Wasser in Trumps Prestige-Projekt schlammig-grün.
