Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban an die Macht ist Afghanistan dem katholischen Hilfswerk Caritas zufolge weiterhin Schauplatz einer der größten humanitären Krisen der Welt. Die Ernährungs- und Einkommenssituation im Land sei 'dramatisch'.
Fünf Jahre nach der Rückkehr der Taliban an die Macht ist Afghanistan dem katholischen Hilfswerk Caritas zufolge weiterhin Schauplatz einer der größten humanitären Krisen der Welt. Die Lebensbedingungen vieler Menschen hätten sich weiter verschlechtert und eine Trendwende sei nicht in Sicht, teilte Caritas international am Mittwoch mit. Die Ernährungs- und Einkommenssituation im Land sei "dramatisch".
Die Leiterin des Büros von Caritas international in Kabul, Veronika Staudacher, erklärte, "fehlende Arbeitsplätze und fünf Dürrejahre in Folge haben die Bevölkerung weiter verarmen lassen und die Mangelernährung zementiert". Besonders Frauen und Kinder unter zwei Jahren litten darunter. Der UNO zufolge ist nahezu die Hälfte der Bevölkerung von humanitärer Hilfe abhängig.
Unterbrochene Handels- und Transportwege durch regionale Spannungen sowie der Konflikt mit Pakistan haben Staudacher zufolge Lebensmittel und andere lebenswichtige Güter für die Menschen in Afghanistan unbezahlbar gemacht. "So kann ich kein Licht am Ende dieses humanitär düsteren Tunnels erkennen", erklärte die Caritas-Vertreterin.
Auch die schwierige Menschenrechtslage für Frauen im Land trage zur Situation bei, erklärte Staudacher. "Die systematische Ausgrenzung von Frauen aus dem öffentlichen Leben, berufliche und schulische Verbote, sowie die zunehmende Abhängigkeit von männlichen Angehörigen nehmen dem Land jede Zukunftsaussichten." Schon jetzt seien viele Dienstleistungen eingeschränkt, insbesondere im Gesundheitswesen fehlten zunehmend weibliche Fachkräfte. Diese Situation drohe sich durch den Ausschluss von Mädchen von weiterführender Bildung weiter zu verschärfen. Die Zahl von Ärztinnen, Krankenschwestern und Hebammen werde weiter sinken.
Auch die internationale Hilfsorganisation Help teilte in einer Stellungnahme mit, die humanitäre Lage in Afghanistan sei "dramatisch". Fast die Hälfte der Bevölkerung sei auf humanitäre Hilfe angewiesen, hieß es weiter. 17,4 Millionen Menschen leiden demnach Hunger. "Insbesondere Kinder kämpfen aufgrund der dramatischen Ernährungssituation ums Überleben", erklärte Help-Programm-Manager Julian Loh. Anhaltende Armut, wiederkehrende Klimaschocks sowie Vertreibungen aus den Nachbarländern verschärfen demnach die Notlage weiter.
Ein wichtiger Grund für die desolate Ernährungssituation in Afghanistan sind Help zufolge die Auswirkungen des Klimawandels. Diese träfen das Land "besonders hart", erklärte Loh. "Immer öfter kommt es zu Dürren und Überschwemmungen, die die Ernten zerstören."
Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein islamisches Emirat ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islam mit drakonischen Gesetzen durch. Frauen treffen diese besonders hart: Sie müssen sich außerhalb des Hauses nahezu vollständig verhüllen und haben keinen Zugang zu zahlreichen öffentlichen Orten. Mädchen dürfen nur bis zum Alter von zwölf Jahren zur Schule gehen.
