Angesicht zunehmender Drohnenangriffe aus Russland wollen die Behörden in der Ukraine ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen. Unter anderem soll die Kiewer U-Bahn weiter über den Fluss Dnipro verkehren.
Angesicht zunehmender Drohnenangriffe aus Russland wollen die Behörden in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ihre Sicherheitsmaßnahmen bei Luftalarm anpassen. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte am Montag im Onlinedienst Telegram, er habe Behördenvertreter in Kiew zusammengebracht, um über Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen zu beraten. Dabei habe er etwa vorgeschlagen, die U-Bahn weiter über die Dnipro-Brücken fahren zu lassen. Bei Luftalarm stoppt die Metro derzeit ihren Verkehr über den Fluss.
Die russische Armee hat ihre Angriffe auf die Ukraine zuletzt stark ausgeweitet. Regelmäßig fliegen Schwärme von Kampfdrohnen auf die Hauptstadtregion zu. Durch die wiederkehrenden Alarme kommen der Verkehr und das Wirtschaftsleben teilweise zum Erliegen, weil Geschäfte geschlossen werden und die U-Bahn den Verkehr über die Dnipro-Brücken einstellt, was regelmäßig zu einem Verkehrschaos führt. Der Fluss teilt Kiew in zwei Teile.
Die Kiewer Stadtverwaltung kündigte zudem an, bei Schulkindern stärker auf Online-Unterricht setzen zu wollen. In der Ukraine beginnt am Dienstag das neue Schuljahr.
Russland versuche, das "Wirtschaftsleben in der Hauptstadt und in den Großstädten lahmzulegen", erklärte Regierungschef Serhij Korezky am Samstag. "Die lang anhaltenden Luftalarme beeinträchtigen nicht nur die Sicherheit der Bürger, sondern auch den Betrieb von Unternehmen, die Logistik, den Verkehr sowie Schulen und Kindergärten." Deswegen müssten die Sicherheitsvorschriften angepasst werden, um "noch Leben" in Kiew zu ermöglichen.
Experten plädieren deshalb für an die Angriffe angepasste Sicherheitsmaßnahmen. "Wenn in der Hauptstadt praktisch alles für 40 Minuten pro Stunde zum Stillstand kommt, nur weil irgendwo in der Region eine Drohne fliegt, werden wir das nicht lange durchhalten" kritisierte kürzlich der ukrainische Justizexperte Mychajlo Schernakow im Onlinedienst Facebook.
