Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva besitzt kein Handy und belächelt immer wieder die 'Wisch-Tippen'-Generation - nun hat er knapp drei Wochen vor der Präsidentenstichwahl ein Selfie-Video veröffentlicht.
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva besitzt kein Handy und belächelt immer wieder die "Wisch-Tippen"-Generation - nun hat er knapp drei Wochen vor der Präsidentenstichwahl ein Selfie-Video veröffentlicht. "Kommt schon, Leute, lasst uns auf die Straße gehen. Lasst uns mit den Menschen reden", sagte Lula in der bei Tiktok und Instagram verbreiteten Aufnahme.
Angesichts seiner Niederlage bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hat Lulas Wahlkampfteam die Kampagne des linksgerichteten Amtsinhabers neu ausgerichtet. Knapp drei Wochen vor der Stichwahl am 25. Oktober setzt es nun verstärkt auf Onlinedienste.
Mit dem Schritt betritt der 80-jährige Staatschef Neuland, um Wähler dazugewinnen. Sein Rivale, der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro, wendet sich bereits seit Monaten mit spontanen Selfie-Videos in den Onlinenetzwerken an seine Anhänger.
"Die Leute nerven mich ständig damit", sagte Lula bei einem Treffen mit jungen linksgerichteten Influencern. Seine Frau Janja stehe "jeden Tag auf und sagt: 'Komm schon, mach ein Selfie.'", sagte er und fügte hinzu: "Ich mag das nicht. Aber heute habe ich beschlossen, es zu tun."
Er benutze kein Handy, weil er seine Hände "für andere Dinge" brauche, sagte Lula bei dem Treffen weiter. "Und ich sage gerne nur das Wesentliche."
Lula landete bei der ersten Wahlrunde am Sonntag überraschend hinter Bolsonaro. Der Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro holte 47 Prozent der Stimmen, Lula kam auf 45 Prozent. In den letzten Umfragen vor der Wahl hatte der für eine vierte Amtszeit kandidierende Lula noch knapp vor Bolsonaro gelegen.
Der Sieg Bolsonaros versetzte das linke Lager Brasiliens in Aufruhr. Lulas Anhänger versuchen nun unter Hochdruck, vor der Stichwahl am 25. Oktober Stimmen zurückzugewinnen.
Bis vor wenigen Monaten war Flávio Bolsonaro in Brasilien noch ein relativ unbekannter Senator. Das änderte sich, als sein Vater ihn zu seinem politischen Erben ernannte. Jair Bolsonaro wurde wegen eines Putschversuchs gegen Lula im Jahr 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt und durfte bei der Wahl nicht kandidieren, er befindet sich im Hausarrest.
Der älteste Sohn des Ex-Präsidenten bezeichnet sich selbst als "gemäßigtere Version" seines Vaters. Im ersten Wahlgang übertraf der 45-Jährige mit 56 Millionen Stimmen sogar die Ergebnisse seines Vaters von 2018 und 2022.
Aus Furcht vor einem erneuten Rechtsruck ihres Landes, gingen derweil am Mittwoch tausende Menschen in Rio de Janeiro auf die Straße. Sie schlossen sich einem Studentenprotest gegen Bolsonaro in der Innenstadt der Metropole an. Unter Trommelklängen, Feuerwerk und mit Sprechchören strömten tausende Studenten in die Innenstadt von Rio de Janeiro. Sie skandierten Parolen wie "Nie wieder Bolsonaro" und riefen dazu auf, für Lula zu stimmen.
