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Tödlicher Messerangriff in Polen: Tusk macht Social Media für Taten mitverantwortlich

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Einsatzfahrzeuge in Leszczydol-Nowiny Bild: AFP

Einen Tag nach einem Messerangriff mit neun Verletzten an einer Berufsschule in Polen hat sich am Donnerstag an einer Schule nahe Warschau eine tödliche Messerattacke ereignet. Ein 15-Jähriger habe die Hausmeisterin seiner früheren Schule erstochen und zwei weitere Erwachsene verletzt, teilte die Polizei mit.

Nach zwei kurz hintereinander verübten Messerangriffen an Schulen in Polen hat Ministerpräsident Donald Tusk Online-Netzwerke und Videospiele für solche Taten mitverantwortlich gemacht. Es gebe einen "Gewalt-Kult" unter Jugendlichen, sagte Tusk am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Wenige Stunden zuvor hatte ein 15-Jähriger an einer Schule nahe Warschau die Hausmeisterin erstochen und zwei weitere Erwachsene verletzt. Am Mittwoch gab es bei einem Messerangriff an einer Schule neun Verletzte.

"Dieser Kult der Gewalt ist mittlerweile allgegenwärtig auf der Welt, und leider hat er auch Polen erreicht", sagte Tusk. Dieser gefährliche Trend habe sich entwickelt "unter dem Einfluss des Internets" sowie von Videospielen und Inhalten, "die reine Gewalt fördern" wie sogenannte Freak fights, bei denen sich Influencer oder andere Prominente gewaltsame Auseinandersetzungen liefern. Es gebe einen Trend zur Nachahmung insbesondere bei Jungen "in einer psychischen Krise".

Tusk hatte für Donnerstag eine Krisensitzung mit den Ministern für Inneres, Digitales, Bildung und Gesundheit sowie dem Spezialkräfte-Koordinator und dem polnischen Polizeichef einberufen. Damit reagierte er auf die Messerangriffe, die sich kurz hintereinander an polnischen Schulen ereigneten. Dem nationalistischen polnischen Präsidenten Karol Nawrocki warf Regierungschef Tusk vor, sein Veto gegen ein Gesetz eingelegt zu haben, das gegen Gewalt und Hass in Online-Netzwerken schützen sollte. 

Wie die Polizei mitteilte, verübte am Donnerstag ein 15-Jähriger einen tödlichen Messerangriff in Leszczydol-Nowiny, einem kleinen Ort 70 Kilometer östlich von Warschau. Er habe an seiner früheren Schule zunächst auf die Hausmeisterin eingestochen und sich dann gegen eine Lehrerin und den Schuldirektor gewandt. 

Diese überwältigten den Jugendlichen, so dass er festgenommen werden konnte, wie Polizeisprecherin Katarzyna Kucharska der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die 37-jährige Hausmeisterin erlag jedoch ihren Verletzungen. Augenzeugen zufolge trug der Angreifer einen Helm mit einer Kamera, die den Angriff filmte. 

"Er ist reingerannt und hat die Hausmeisterin verletzt. Ich habe einen Schrei gehört", schilderte Schuldirektor Krzysztof Ochmanski den Angriff dem Sender Radio dla Ciebie. Als er auf den Gang hinausgetreten sei, sei der Angreifer mit nach oben gereckten Händen auf ihn zugekommen. Der Junge habe insgesamt drei Messer bei sich gehabt, ihn mit der Klinge eines langen Messers jedoch nur gestreift.

Am Donnerstagmorgen wurde außerdem in Sierpc, 125 Kilometer nordwestlich von Warschau, ein 17-Jähriger festgenommen, der angekündigt hatte, in seiner Schule "etwas Grandioses" zu tun. Ein Lehrer verständigte die Polizei, die in der Wohnung des Jungen eine Tasche mit zwei Messern fand.

Am Mittwoch hatte ein 19-Jähriger in Ostroleka rund 120 Kilometer nördlich von Warschau Schüler, Lehrer und Passanten mit einem Messer angegriffen und dabei neun Menschen verletzt. Auch er wurde festgenommen. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft musste der 19-Jährige zwischenzeitlich im Krankenhaus behandelt werden, weil er sich selbst Verletzungen zugefügt hatte. Bei seinen Opfern handelte es sich nach Angaben des zuständigen Behördenleiters um fünf Schüler, zwei Lehrer und zwei Passanten. Lebensgefahr bestand demnach bei keinem von ihnen. In einer vom Angreifer in der Schule zurückgelassenen Tasche fanden die Ermittler Sprengstoff.

Eigentlich ereignen sich solche Messerattacken in dem 37-Millionen-Einwohner-Land eher selten. Die polnische Bildungsministerin Barbara Nowacka rief die traditionellen Medien sowie Influencer in Online-Netzwerken auf, derartige Angriffe "verantwortungsbewusst" zu kommentieren, um eine "Spirale" der Gewalt zu vermeiden. Laut einem AFP vorliegenden Dokument hat die Polizei in den vergangen Monaten wiederholt Fälle von Schülern verzeichnet, die in ihren Schulen Messerangriffe verübten oder geplant hatten.

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