Im Prozess um den Tod des argentinischen Fußball-Idols Diego Maradona hat die Anklage dem medizinischen Behandlungsteam in ihrem Schlussplädoyer vorgeworfen, den Kranken durch 'chaotisches' Handeln seinem Schicksal überlassen zu haben.
Im Prozess um den Tod des argentinischen Fußball-Idols Diego Maradona hat die Anklage dem medizinischen Behandlungsteam zu Beginn ihres Schlussplädoyers vorgeworfen, den Kranken durch "chaotisches" Handeln seinem Schicksal überlassen zu haben. Staatsanwalt Patricio Ferrari sagte am Donnerstag im Gericht in San Isidro nahe Buenos Aires, die Mediziner hätten gegenüber dem damals 60-Jährigen "ihre Pflichten verletzt" und gegen anerkannte Behandlungsmethoden verstoßen. Die Staatsanwaltschaft verlangte Gefängnisstrafen zwischen vier und zwölf Jahren für sechs der sieben Mitglieder des medizinischen Teams.
Mehrere medizinische Experten sagten aus, dass Maradonas Behandlungsteam auf wichtige Warnsignale vor seinem Tod nicht reagiert habe. "Der Tod von Diego Armando Maradona kam ganz offensichtlich nicht aus dem Nichts. Die Anzeichen begannen schon lange vorher aufzutreten", sagte Staatsanwalt Cosme Iribarren. Die Anklage präsentierte vor Gericht erneut Bilder des Toten mit einem geschwollenen Bauch.
Der frühere Fußballstar war am 25. November 2020 zwei Wochen nach einer Hirn-Operation im Alter von 60 Jahren gestorben. Todesursache waren laut Obduktion ein Herzinfarkt und ein Lungenödem.
Seit April steht ein siebenköpfiges Team aus Ärzten, Psychiatern, Psychologen und Pflegern wegen Maradonas Tod vor Gericht. Sie hatten den Fußballstar in einem von ihm angemieteten Haus nach der Operation betreut. Den Angeklagten wird vorgeworfen, wider besseres Wissen grob nachlässig gehandelt zu haben. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück.
Die Staatsanwaltschaft forderte nun für drei der sieben Mitglieder des Teams eine Gefängnissstrafe zwischen acht und 12 Jahren wegen Tötung mit bedingtem Vorsatz. Für drei andere verlangte die Staatsanwaltschaft zwischen vier und fünf Jahren wegen fahrlässiger Tötung. Gegen den siebten Angeklagten, einen externen Mediziner, der Maradona nur einmal besucht hatte, verlangte die Staatsanwaltschaft keine Strafe.
Maradonas drei Töchter waren bei dem jüngsten Termin im Gericht anwesend. Der laufende Prozess war im August unterbrochen worden, nachdem die Verteidigung auf die Verwechslung von Nierentests hingewiesen hatte. Ein Gesundheitsdienstleister räumte daraufhin ein, die im Prozess vorgelegten Tests seien "versehentlich unter dem Namen Diego Armando Maradona abgelegt worden", obwohl sie in Wirklichkeit von seinem 2015 verstorbenen Vater Diego Salustiano Maradona stammten.
Für die kommenden zwei Wochen sind noch weitere Termine vor Gericht angesetzt. Das Urteil wird zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.
Ein erster Prozess um Maradonas Tod war im vergangenen Jahr gescheitert, weil eine Richterin für befangen befunden wurde. Sie hatte heimlich an der Vorbereitung einer Dokumentarserie über den Fall mitgewirkt.
