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Oldtimer als Wertanlage: Lohnt sich der Einstieg bei Käfer und Bulli?

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Andrzej Rembowski from Pixabay

Ein Käfer in der Garage sieht gut aus. Aber rechnet er sich auch? Diese Frage stellen sich immer mehr Anleger, die ihr Geld nicht nur in ETFs und Immobilien stecken wollen. Der Markt für klassische Volkswagen hat in den vergangenen zehn Jahren ordentlich angezogen, teilweise mit Zuwächsen, die manchen Aktienfonds alt aussehen lassen. Doch wer nur auf die Rendite schielt, übersieht die Kostenseite.

Was Käfer und Bulli heute wirklich kosten

Der VW Käfer ist mit über 21 Millionen gebauten Exemplaren das meistproduzierte Auto einer einzigen Bauform. Genau das hält die Preise im unteren Segment stabil, aber eben auch begrenzt. Ein fahrbereiter Käfer aus den Siebzigern mit ehrlicher Patina liegt je nach Zustand zwischen 8.000 und 15.000 Euro. Frühe Modelle mit Brezelfenster oder Ovalfenster spielen in einer anderen Liga: Hier werden regelmäßig 40.000 Euro und mehr aufgerufen, bei Topexemplaren auch sechsstellige Summen.

Beim Bulli sieht die Lage anders aus. Der T1, besonders als Samba-Bus mit 23 Fenstern, ist längst ein Sammlerobjekt mit Preisen zwischen 100.000 und 200.000 Euro. Der T2 war lange der günstige Einstieg, zieht inzwischen aber deutlich an. Gut erhaltene Westfalia-Campingmodelle kosten mittlerweile 45.000 bis 70.000 Euro. Der T3 gilt als letzter echter Geheimtipp, vor allem die wassergekühlten Syncro-Varianten.



Die Zustandsnoten entscheiden alles

In Deutschland hat sich das Notensystem von 1 bis 5 durchgesetzt. Zwischen Note 2 und Note 3 liegen oft 50 Prozent Preisunterschied. Das klingt nach einer Chance, ist aber meist eine Falle. Wer ein Note-4-Fahrzeug kauft, um es auf Note 2 zu bringen, zahlt in der Restaurierung regelmäßig mehr, als das fertige Auto am Markt wert ist. Diese Rechnung geht fast nur bei sehr seltenen Modellen auf.

Die Rendite im Realitätscheck

Der VDA-Oldtimerindex und ähnliche Erhebungen zeigen für klassische VW-Modelle über die vergangene Dekade durchschnittliche jährliche Wertsteigerungen von etwa vier bis sieben Prozent. Das ist solide, aber keine Goldgrube. Entscheidend ist, was davon nach Kosten übrig bleibt.

Realistische Jahreskosten für einen gepflegten Käfer:

Versicherung mit H-Kennzeichen: 150 bis 350 Euro

Steuer (pauschal H-Kennzeichen): 191,73 Euro

Trockene Garage oder Sammlerunterstellung: 600 bis 2.400 Euro

Wartung, Verschleißteile, TÜV: 500 bis 1.500 Euro

Macht schnell 2.000 Euro im Jahr. Bei einem Fahrzeugwert von 12.000 Euro frisst das die gesamte Wertsteigerung auf. Erst ab Werten jenseits von 40.000 Euro beginnt die Rechnung zu funktionieren, weil die Fixkosten nicht proportional mitwachsen.



Der Faktor Eigenleistung

Wer selbst schraubt, verändert die Gleichung grundlegend. Luftgekühlte VW-Motoren sind simpel aufgebaut, die Technik verzeiht Anfängerfehler, und die Ersatzteilversorgung ist für ein 60 Jahre altes Auto erstaunlich gut. Viele Besitzer beziehen ihre VW ersatzteile direkt bei spezialisierten Händlern, was die Werkstattkosten drastisch senkt. Ein Satz Bremsbacken, ein Vergaser-Reparaturkit, neue Türdichtungen: alles Dinge, die man an einem Samstag selbst erledigt.

Wo die Fallstricke liegen

Rost ist der Hauptfeind, und er sitzt bei Käfer und Bulli an berechenbaren Stellen. Beim Käfer sind es die Bodenplatten, die Rahmenkopfbereiche und die Trittbretter. Beim Bulli die Schwellen, der Bereich unter der Windschutzscheibe und die Radläufe. Ein Rahmenkopfschaden kostet in der Fachwerkstatt schnell 5.000 Euro aufwärts.

Dazu kommt die Papierlage. Fahrzeuge ohne lückenlose Historie, mit unklarer Fahrgestellnummer oder zusammengesetzt aus mehreren Spendern verlieren am Markt massiv. Sammler fragen heute nach Originalfarbe, originalem Motorcode und dem M-Code-Aufkleber. Wer ein Auto mit Brief, Scheckheft und Fotodokumentation kauft, zahlt mehr, verkauft aber auch deutlich leichter.



Der Importmarkt täuscht

Käfer aus Kalifornien oder Mexiko werden gern als rostfreie Schnäppchen angepriesen. Oft stimmt das sogar. Allerdings weichen mexikanische Spätmodelle technisch und qualitativ von europäischen Fahrzeugen ab, und deutsche Sammler zahlen dafür weniger. Die Einzelabnahme nach Paragraf 21 kostet zusätzlich Zeit und Geld.

Für wen sich der Einstieg lohnt

Als reines Investment taugt ein Käfer für 10.000 Euro wenig. Als Investment, das man am Wochenende fahren, selbst reparieren und im Sommer an den See bewegen kann, sieht die Sache anders aus. Der emotionale Ertrag ist real, nur eben nicht bilanzierbar.

Wer ernsthaft auf Wertzuwachs setzt, sollte drei Regeln beherzigen. Erstens: lieber ein gutes Auto als zwei mittelmäßige. Zweitens: Seltenheit schlägt Zustand nur bei wirklich raren Varianten, sonst gilt das Gegenteil. Drittens: Haltedauer mindestens zehn Jahre, denn Transaktionskosten und Marktschwankungen brauchen Zeit zum Ausgleich.

Der Markt hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar beruhigt. Die Preisrallye der Pandemiejahre ist vorbei, einige Segmente haben korrigiert. Für Einsteiger ist das eher gute Nachricht als schlechte. Wer jetzt kauft, zahlt nicht den Höchstpreis. Und wer einen Bulli T3 Syncro findet, der noch nicht entdeckt wurde, hat womöglich den besseren Deal gemacht als jemand, der vor drei Jahren einen Samba kaufte.

 

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