Vor dem Hintergrund möglicher neuer US-Angriffe auf den Iran ist der ranghöchste Stratege im US-Militär laut einem Medienbericht unerwartet entlassen worden.
Vor dem Hintergrund möglicher neuer US-Angriffe auf den Iran ist der ranghöchste Stratege im US-Militär laut einem Medienbericht unerwartet entlassen worden. Der im Generalstab für Planungs- und Politikfragen zuständige Generalleutnant Brett Sylvia sei in dieser Woche von seinem Posten abberufen worden, berichtete das US-Magazin "The Atlantic" am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington. US-Medien zufolge stand die Entlassung im Zusammenhang mit dem angeblichen Durchstechen von Geheiminformationen durch Sylvia.
Ein Nachfolger für Sylvia sei vorerst nicht bestimmt worden, berichtete "The Atlantic". Den US-Medien CBS und Fox News zufolge wurde der Generalleutnant entlassen, weil er Geheiminformationen durchgestochen haben soll. CBS berief sich dabei auf einen Pentagon-Beamten, demzufolge Sylvia drei Lügendetektortests zu der Frage nicht bestanden haben soll, ob er geheime Informationen an Medien weitergegeben habe.
Ein Sprecher des Generalstabs veröffentlichte zunächst eine Erklärung, die offenbar Sylvias Ausscheiden bestätigte. Der Sprecher zog diese später jedoch zurück und erklärte: "Nach weiterer Prüfung haben wir festgestellt, dass die Erklärung die Umstände nicht angemessen in ihrer Gesamtheit widerspiegelt."
Pentagon-Sprecher Sean Parnell erklärte daraufhin im Onlinedienst X, das US-Verteidigungsministerium verfolge "eine Null-Toleranz-Politik gegenüber der absichtlichen, unautorisierten Offenlegung von Verschlusssachen". Das Pentagon habe "notwendige Personalmaßnahmen" ergriffen, "um sensible Informationen zu schützen". Parnell nannte Sylvia nicht namentlich. Er fügte hinzu, "weitere Kommentare zu der betroffenen Person oder den Umständen dieser Maßnahme wird es nicht geben".
Sylvias Abgang erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran nach den Kongresswahlen am 3. November spekuliert wird. US-Präsident Donald Trump hatte am vergangenen Freitag unter Bezug auf den Namen des im Februar begonnenen US-israelischen Einsatzes gesagt, Washington könnte "einen weiteren kleinen Epischen Zorn machen". Angaben zu einem möglichen Zeitpunkt machte er nicht.
Seit Anfang September haben weder die US-Armee noch die iranische Seite größere Angriffe auf Landziele ausgeführt. Im Fokus standen zuletzt Angriffe auf Handelsschiffe.
US-Vizepräsident JD Vance kontaktierte derweil einem US-Medienbericht zufolge Irans Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrats. Vance habe Mohsen Resaei einen Brief geschickt, berichtete das "Wall Street Journal" ("WSJ") am Mittwoch. In dem Schreiben geht es demnach eher um einen "möglichen Verhandlungsrahmen" als um Einzelheiten eines Friedensvorschlags.
Iranische Medien berichteten am Donnerstag, Teheran habe einen Brief von Vance erhalten. "Der Iran hat den Brief erhalten, aber noch nicht darauf geantwortet", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tasnim. Die Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte einen ähnlichen Bericht und berief sich darin auf "mit der Angelegenheit vertraute Kreise".
Einer der "WSJ"-Quellen zufolge wurde der Brief auf Initiative von US-Präsident Donald Trump versandt. Darauf von Journalisten angesprochen, stritt Trump jedoch ab, das Schreiben angeregt zu haben. Vance haben ihn gefragt, was er davon halte, sagte der US-Präsident vor seiner Abreise zu einem Wahlkampfauftritt in Ohio. Er habe daraufhin geantwortet: "Wenn du das machen willst, ist das für mich in Ordnung."
Wie das "WSJ" zudem berichtete, hat Washington mehrere Golfstaaten aufgefordert, sich auf einen möglichen "kurzen, intensiven Militäreinsatz" gegen den Iran nach den US-Zwischenwahlen am 3. November einzustellen. Unter Berufung auf informierte Kreise berichtete die Zeitung am Mittwoch, dass Trump noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe.
Verteidigungsminister Pete Hegseth hat seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 im Auftrag von Präsident Trump zahlreiche ranghohe Militärvertreter ausgetauscht. Ende September gab der Republikaner vor der Militärspitze an, er habe die Zahl der ranghöchsten Offiziere und der Planstellen "um 20 Prozent" verringert - das wäre doppelt so viel wie bisher angekündigt.
Hegseth, der sich "Kriegsminister" nennt, deutete damals an, dass die Streichungen sich vor allem gegen diejenigen richteten, die seinem Kurs gegen die "woke" Linie früherer Regierungen nicht folgen wollten. Der Begriff "woke" wird in rechtsgerichteten Kreisen als Synonym für aus ihrer Sicht intolerante und extreme gesellschaftspolitische Haltungen linker Kräfte verwendet.
