Cyberangriffe gehören längst zum Alltag moderner Unternehmen – doch sie kommen nicht immer durch die Vordertür. Immer häufiger nutzen Angreifer Dienstleister, Softwareanbieter oder externe Partner als Einfallstor. Diese sogenannten Supply-Chain-Angriffe sind besonders tückisch, weil sie tief in bestehende Vertrauensstrukturen eingreifen. Ein erfolgreich platzierter Angriff entlang der Lieferkette kann weitreichende Auswirkungen auf zahlreiche Unternehmen haben, selbst wenn diese ursprünglich gar nicht Ziel des Angriffs waren.
Wie Supply-Chain-Angriffe funktionieren
Ein Supply-Chain-Angriff nutzt die Schwachstellen in der digitalen Lieferkette eines Unternehmens. Anstatt direkt das Zielunternehmen anzugreifen, wird ein externer Dienstleister kompromittiert. Das kann ein IT-Dienstleister sein, ein Softwareanbieter oder sogar ein Hardwarelieferant. Ziel ist es, über diese vertrauenswürdige Verbindung Zugriff auf interne Systeme zu erlangen.
Die Vorgehensweise ist oft raffiniert. Ein beliebter Weg ist das Einspielen von Schadcode in Software-Updates, die automatisch von vielen Unternehmen heruntergeladen und installiert werden. Auch gestohlene Zugangsdaten oder VPN-Verbindungen werden genutzt, um sich lateral in Netzwerke zu bewegen. Besonders kritisch wird es, wenn Anbieter weitreichende Administratorrechte besitzen.
Solche Angriffe sind schwer zu erkennen, da sie keine klassischen Signaturen hinterlassen und oft mit regulären Datenflüssen verschmelzen. Der Aufwand, sie zu entdecken, ist hoch – der Schaden im Fall einer erfolgreichen Attacke jedoch enorm.
Warum Dienstleister ein attraktives Ziel sind
Cyberkriminelle wählen ihre Ziele strategisch. Dienstleister und Zulieferer sind oft weniger gut geschützt als große Unternehmen, haben aber dennoch Zugriff auf kritische Systeme. Diese Kombination macht sie zu einem attraktiven Einfallstor. Vor allem Unternehmen, die viele Kunden mit ähnlichen IT-Systemen betreuen, können mit einem einzigen Angriff massenhaft kompromittiert werden.
Hinzu kommt, dass Vertrauen eine große Rolle spielt: Wer mit einem zertifizierten IT-Partner zusammenarbeitet, hinterfragt selten die Sicherheit seiner Prozesse. Genau hier setzen Angreifer an. Sie nutzen bekannte Tools oder Update-Mechanismen, um Malware einzuschleusen, die im besten Fall gar nicht auffällt.
Im Folgenden eine Liste typischer Angriffspunkte in der digitalen Lieferkette:
- Software-Updates von Drittanbietern
- Zugriffsrechte von IT-Dienstleistern
- Fernwartungssysteme und VPN-Verbindungen
- Veraltete Firmware bei Hardwarelieferanten
- Cloud-Dienste mit fehlender Segmentierung
Sicherheitsmaßnahmen entlang der Lieferkette
Trotz der Bedrohungslage gibt es effektive Maßnahmen, um sich besser gegen Supply-Chain-Angriffe zu schützen. Zentral ist ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das nicht an den eigenen Unternehmensgrenzen endet. Transparenz und klare Anforderungen an Dienstleister gehören ebenso dazu wie kontinuierliche Überprüfungen der eingesetzten Systeme.
Ein wichtiger Bestandteil ist die Vertragsgestaltung mit externen Partnern. Sicherheitsstandards und Reaktionszeiten sollten darin verbindlich geregelt sein. Auch Zertifizierungen wie ISO 27001 oder TISAX können als Orientierung dienen, ersetzen jedoch keine regelmäßigen Audits.
Ein weiterer Baustein ist die Segmentierung des Netzwerks. Selbst wenn ein Angreifer über einen Dienstleister eindringen kann, sollten interne Sicherheitsbarrieren verhindern, dass er sich ungehindert ausbreitet. Auch eine aktualisierte Rechtevergabe, bei der Dienstleister nur zeitlich begrenzten Zugriff erhalten, trägt zur Risikominimierung bei.
Überblick über empfohlene Schutzmaßnahmen:
Maßnahme | Beschreibung |
Vertragliche Sicherheitsanforderungen | Verpflichtende Standards in Dienstleisterverträgen |
Netzwerksegmentierung | Trennung sensibler Bereiche zur Schadensbegrenzung |
Rechtevergabe prüfen | Minimierung unnötiger Admin-Zugriffe |
Auditprozesse etablieren | Regelmäßige Überprüfung externer Systeme |
Monitoring und Logging | Frühzeitige Erkennung verdächtiger Aktivitäten |
Rolle der internen Sicherheitskultur
Technische Maßnahmen allein reichen nicht aus, um Supply-Chain-Angriffe zu verhindern. Die Sicherheitskultur innerhalb des Unternehmens spielt eine ebenso zentrale Rolle. Mitarbeitende sollten geschult sein, auch bei vertrauten Partnern auf ungewöhnliche Vorgänge zu achten.
Ein offener Umgang mit Sicherheitsfragen, ein gelebtes Risikobewusstsein und regelmäßige Notfallübungen stärken die Widerstandskraft gegenüber komplexen Angriffen. Ebenso wichtig ist eine klare Kommunikation zwischen Fachabteilungen, IT und Geschäftsführung – denn Sicherheitsfragen betreffen alle Ebenen.
Kommt es doch zu einem Vorfall, ist eine vorbereitete Incident Response entscheidend. Sie beschreibt den strukturierten Ablauf bei Sicherheitsvorfällen und sollte regelmäßig getestet werden. Nur so lässt sich im Ernstfall schnell und gezielt reagieren, um den Schaden zu begrenzen und die Systeme wiederherzustellen.
