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Die Vision vom vernetzten Zuhause ist längst Realität geworden. Sprachassistenten, intelligente Thermostate, smarte Türschlösser und ganze Energiesysteme reagieren inzwischen auf Knopfdruck oder Sprachbefehl. Gleichzeitig wächst die Sorge, ob all diese Daten tatsächlich geschützt sind – und wer im Ernstfall Zugriff darauf erhält. Zwischen Komfort und Kontrollverlust liegt oft nur ein schmaler Grat. Gerade in Zeiten, in denen Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und digitale Steuerungssysteme in den Fokus rücken, wird die Frage nach sicherer Technik mehr als nur eine technische Detaildiskussion.
David Wulf, Geschäftsführer bei home&smart in Karlsruhe, befasst sich seit Jahren intensiv mit dieser Schnittstelle von Innovation und Verantwortung. Als Betreiber eines der größten deutschsprachigen Portale rund um Smart Home, Energie und digitale Trends erlebt er täglich, wie sich Technikbegeisterung und Skepsis begegnen. Seine Plattform testet Geräte, ordnet Entwicklungen ein und bewertet die Qualität von Produkten – immer mit Blick darauf, welche Chancen und Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher bestehen.
Im Gespräch mit Unternehmen-Heute.de geht es deshalb nicht nur um die Frage, ob Smart-Home-Systeme praktisch sind, sondern auch darum, wie es um Datensicherheit, Herstellertransparenz und langfristige Vertrauensbildung bestellt ist.
Unsere Fragen an David Wulf
Herr Wulf, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit Smart-Home-Lösungen. Wo sehen Sie aktuell die größten Sicherheitslücken – sind es eher technische Schwachstellen oder fehlende Standards bei den Herstellern?
Die größten Risiken entstehen aktuell durch fehlende Standards. Viele Hersteller setzen auf eigene Lösungen, die nicht immer sicher miteinander kommunizieren. Hinzu kommen technische Schwachstellen wie unverschlüsselte Datenübertragung oder unsaubere Software-Updates. Entscheidend ist, dass Hersteller Transparenz schaffen, regelmäßig Updates bereitstellen und Nutzer einfache Möglichkeiten haben, ihre Geräte abzusichern.
In Ihren Testberichten werden regelmäßig Datenschutzaspekte beleuchtet. Gibt es aus Ihrer Sicht Produktkategorien, die besonders anfällig sind, etwa bei Sprachassistenten oder vernetzten Kameras?
Ja, besonders sensibel sind Sprachassistenten und smarte Kameras. Sie erfassen dauerhaft Audio- oder Videodaten und damit sehr private Informationen. Wenn diese Daten nicht sicher gespeichert oder übertragen werden, entsteht ein hohes Risiko. Unsere Tests zeigen: Nutzer sollten hier genau auf transparente Datenschutzangaben, Serverstandorte und regelmäßige Sicherheitsupdates der Hersteller achten.
Viele Hersteller versprechen inzwischen Updates und Patches über Jahre hinweg. Wie verlässlich sind solche Zusagen wirklich – und welche Rolle spielt dabei die Verantwortung der Nutzer selbst?
Die Zusagen klingen oft gut, sind aber nicht immer langfristig verlässlich – gerade kleinere Hersteller ziehen sich manchmal schneller zurück. Deshalb sollten Käufer auf etablierte Anbieter achten, die nachweislich schon lange am Markt sind und Updates liefern. Gleichzeitig liegt Verantwortung auch bei den Nutzern: Geräte sollten regelmäßig aktualisiert, sichere Passwörter genutzt und unnötige Funktionen deaktiviert werden. Nur so entsteht ein stabiles Sicherheitsniveau.
home&smart versteht sich als unabhängiges Verbraucherportal. Welche Kriterien setzen Sie bei der Bewertung von Datenschutz und Datensicherheit konkret an, damit ein Test auch über die reine Funktionalität hinausgeht?
Wir prüfen, wie transparent Hersteller mit Daten umgehen, ob sie den Serverstandort klar angeben und welche Verschlüsselung genutzt wird. Wichtig ist auch, wie lange Updates zugesichert sind und wie leicht Nutzer Sicherheitsfunktionen einstellen können. So bewerten wir nicht nur die Technik, sondern auch, ob das Gerät im Alltag vertrauenswürdig ist.
Gerade bei Energie- und Mobilitätslösungen werden sensible Verbrauchsdaten erfasst. Wie lässt sich verhindern, dass solche Informationen in falsche Hände geraten oder für kommerzielle Zwecke missbraucht werden?
Wichtig ist, dass Daten verschlüsselt übertragen und nur auf sicheren Servern gespeichert werden. Hersteller sollten klar offenlegen, ob und wofür sie Daten nutzen. Nutzer können leider in den Einstellungen nur selten bestimmen, welche Informationen geteilt werden. Wünschenswert wäre hier: Nur so viele Daten wie nötig freigeben – und auf Anbieter setzen, die Transparenz und Datenschutz nachweislich ernst nehmen.
Vertrauen ist ein zentrales Thema. Was müsste aus Ihrer Sicht passieren, damit Verbraucher in Deutschland und Europa das Gefühl haben, Smart-Home-Technik sei nicht nur komfortabel, sondern auch verlässlich geschützt?
Es braucht verbindliche Sicherheitsstandards, die für alle Hersteller gelten, und eine klare Kennzeichnung für Verbraucher – ähnlich wie ein Gütesiegel. Dazu kommt mehr Transparenz bei Datenverarbeitung und Update-Versprechen. Wenn Nutzer erkennen, dass Technik nicht nur praktisch, sondern auch nachvollziehbar sicher ist, wächst das Vertrauen spürbar.
Ein Blick nach vorn: Sehen Sie Ansätze, wie Politik, Wirtschaft und Portale wie Ihres gemeinsam dazu beitragen können, Standards für Sicherheit und Datenschutz langfristig zu verankern?
Ja, es gibt bereits konkrete Ansätze. Auf EU-Ebene sorgt der Cyber Resilience Act für verbindliche Sicherheits- und Update-Pflichten, und in Deutschland schafft das BSI-IT-Sicherheitskennzeichen mehr Transparenz für Verbraucher. Wenn Politik den Rahmen vorgibt, Hersteller Standards konsequent umsetzen und unabhängige Portale diese Entwicklungen kritisch begleiten, kann langfristig ein vertrauenswürdiges Ökosystem entstehen.
Vielen Dank, Herr Wulf, für die offenen Einblicke und die Zeit für dieses Gespräch.
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