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Der US-Ölkonzern Sunoco hat den deutschen Tanklagerbetreiber Tanquid gekauft, der Öl und chemische Produkte lagert und Pipelines betreibt. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilte die Freigabe unter Auflagen, wie es am Freitag mitteilte. Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte das als "schweren Fehler": Mit der Übernahme gehe die Kontrolle über wichtige Energiespeicher an ein Unternehmen, das Teil eines Konzerns "mit äußerst problematischer ökologischer und politischer Bilanz" sei.
Tanquid gehörte bislang der australischen Investmentgesellschaft Macquarie, das Unternehmen betreibt 15 Tanklager in Deutschland und eins in Polen. Tanquid besitzt zudem einen 49-Prozent-Anteil einer Fernleitungsbetriebsgesellschaft, die laut "Spiegel" Kerosin für Militärflugplätze in Deutschland beliefert. "Diese militärische Infrastruktur ist für die Einsatzfähigkeit der Luftwaffen extrem wichtig – dass sie jetzt zu 49 Prozent einem US-Unternehmen gehört, ist politisch hochbrisant", sagte Jacopo Maria Pepe von der Stiftung Wissenschaft und Politik dem "Spiegel".
Sunoco ist eine Tochter des US-Energiekonzerns Energy Transfer; laut Greenpeace ein "fossiles Großunternehmen", das Umweltzerstörung in Kauf nimmt, "um fossile Profite zu sichern". Gründer und Chef ist Kelcy Warren, ein Großspender von US-Präsident Donald Trump, der wiederum die fossilen Unternehmen in den USA unterstützt.
"Die Bundesregierung hätte diesen Deal niemals genehmigen dürfen", sagte Greenpeace-Expertin Nora Noelle der Nachrichtenagentur AFP. "Sie gibt kritische Energieinfrastruktur in die Hände eines fossilen US-Konzerns und schlägt alle berechtigten sicherheits- und klimapolitischen Bedenken in den Wind." Wirtschaftliche Interessen würden hier "eindeutig" über langfristige Sicherheit und demokratische Werte gestellt.
Sunoco schloss die Übernahme von Tanquid am 16. Januar ab, ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Bei Sunoco heißt es, mit der Übernahme von Tanquid expandiere das US-Unternehmen nach Europa, wo es nun "die strategische Lagerung für staatliche Stellen" ermögliche.
Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Freitag mit, es habe den Kauf am 9. Januar genehmigt. Sunoco sei "ein führendes, erfahrenes, international agierendes Unternehmen im Bereich Energieinfrastruktur und Kraftstoffvertrieb". Die Auflagen zur Freigabe seien "sehr streng", betonte eine Ministeriumssprecherin. Sie "garantieren die durchgängige Versorgung mit den Tanklager-Kapazitäten". Welche Auflagen es genau sind, sagte die Sprecherin nicht.