Ein 14 Jahre alter Schüler, der im südfranzösischen Sanary-sur-mer mitten im Unterricht seine Lehrerin mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte, handelte nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorsätzlich.
Er habe "zu viel Hass" verspürt und sich an seiner Lehrerin rächen wollen: Ein 14 Jahre alter Schüler, der in Südfrankreich mitten im Unterricht seine Lehrerin mit einem Messer lebensgefährlich verletzte, hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorsätzlich gehandelt. Er habe der 60 Jahre alten Kunstlehrerin vorgeworfen, mehrere als ungerecht empfundene Bemerkungen in die Schul-App eingetragen zu haben, sagte der Staatsanwalt von Toulon, Raphaël Balland, am Mittwoch.
Der Schüler befindet sich derzeit in Untersuchungshaft und soll einem Jugendrichter vorgeführt werden. Der Zustand der bei dem Angriff in Sanary-sur-Mer verletzten Lehrerin sei weiterhin "bedenklich", sagte der Staatsanwalt.
Nach ersten Ermittlungen handelt es sich bei dem 14-Jährigen um einen Fan von Videospielen, der nach eigenen Angaben täglich ein bis zwei Stunden spielt. Er besitze zudem mehrere Stichwaffen, weil er dies "cool" finde, sagte die Staatsanwaltschaft. Einer Religionsgemeinschaft hänge er nicht an. Gewalt von seinen Eltern habe er auch nicht erlebt.
Allerdings habe es in der Schule den Verdacht gegeben, dass die Eltern seine jüngere Schwester misshandelt hätten, hieß es weiter. Die Ermittlungen deswegen seien eingestellt worden, aber die Justiz habe im September eine Begleitung der Familie angeordnet. Der erste Termin wäre allerdings erst im Februar gewesen. "Das ist zu lang", räumte Justizminister Gérald Darmanin ein.
In der betroffenen Mittelschule in Sanary-sur-Mer mit etwa 500 Schülerinnen und Schülern fiel am Mittwoch der Unterricht aus. Stattdessen wurde psychologische Beratung angeboten. "In meinem Kopf sehe ich ständig dieselben Bilder", sagte ein Schüler der 6. Klasse. "Seit ich gesehen habe, dass meine Lehrerin blutend da lag, fühle ich mich nicht gut."
Der französische Bildungsminister Édouard Geffray rief dazu auf, den Vorfall nicht zu instrumentalisieren und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, "um diese Gewalt einzudämmen".
In den vergangenen Jahren war es in Frankreich mehrfach zu Messerangriffen von Minderjährigen auf Lehrer oder andere Schüler gekommen. Im vergangenen Jahr erstach ein 14-Jähriger im Pariser Vorort Nogent eine 31 Jahre alte Schulassistentin. In einem anderen Fall tötete ein Schüler im April ein Mädchen und verletzte mehrere andere Schüler bei einer Messerattacke in der westfranzösischen Stadt Nantes.
Viele Pädagogen fühlen sich erneut an den gewaltsamen Tod des Geschichtslehrers Samuel Paty erinnert. Der 47-jährige Lehrer war 2020 von einem jungen Islamisten enthauptet worden, nachdem er in einer Unterrichtsstunde zum Thema Meinungsfreiheit Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte.
