Frankreich

Macron warnt vor "Spirale der Gewalt" nach Tod von Rechtsradikalem in Lyon

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Bild des getöteten Quentin Deranque Bild: AFP

Nach dem gewaltsamen Tod eines ultrarechten Aktivisten in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron vor einer 'Spirale der Gewalt' gewarnt. Er rief alle Seiten zur Ruhe auf.

Nach dem gewaltsamen Tod eines ultrarechten Aktivisten in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron vor einer "Spirale der Gewalt" gewarnt. Macron zeigte sich besorgt und rief alle politischen Lager zur Ruhe auf. "Alle müssen in ihren Reihen aufräumen", sagte Macron mit Blick auf gewaltbereite Extremisten während seiner Indienreise am Donnerstag in Neu-Delhi. In der Republik gebe es "keinen Platz für Bewegungen, die Gewalt verüben oder rechtfertigen", fügte er hinzu. Der Bürgermeister von Lyon, wo am Samstag ein Trauermarsch stattfinden soll, warnte vor Ausschreitungen und neuen Zusammenstößen.

Der 23-jährige Quentin Deranque, der Verbindungen zu rechtsextremen Gruppen hatte, hatte sich am Donnerstag vergangener Woche an Protesten gegen die linkspopulistische EU-Abgeordnete Rima Hassan an einer Hochschule in Lyon beteiligt. Anschließend kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen rechts- und linksextremen Aktivisten. Deranque wurde von mehreren Vermummten zusammengeschlagen und starb am Samstag an den Folgen seiner schweren Kopfverletzung. 

Die Staatsanwaltschaft in Lyon wollte sich um 17.00 Uhr zu dem Fall äußern, in dem elf Menschen festgenommen wurden, darunter sieben unter dem Verdacht des Totschlags. Die vier anderen sollen bei ihrer Flucht geholfen haben. Die meisten sollen nach Angaben aus Ermittlerkreisen der linksextremen Szene zuzuordnen sein. Die Verdächtigen sollen am Donnerstag einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden, der entscheidet, ob sie in Untersuchungshaft kommen. 

Unter Druck wegen möglicher Verbindungen zu einigen der linksextremen Gewalttäter steht nun vor allem die linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI). Sie lehnte am Donnerstag die Forderung nach einem Fraktionsausschluss eines ihrer Abgeordneten mit Verbindungen zu mutmaßlichen Tätern ab. Dies komme nicht in Frage, sagte LFI-Koordinator Manuel Bompard dem Sender France Info mit Blick auf die Rücktrittsforderungen gegen den Abgeordneten Raphaël Arnault .

Zu den Festgenommenen zählen zwei parlamentarische Mitarbeiter und ein Ex-Praktikant des linkspopulistischen Abgeordneten Arnault, der deswegen mit Rücktrittsforderungen konfrontiert ist. Arnault hatte zudem die linksextreme Gruppe Junge Garde gegründet, deren Auflösung das Innenministerium im vergangenen Sommer verfügt hatte. Grund dafür waren Gewalttaten, die der Gruppe zur Last gelegt wurden. 

Justizminister Gérald Darmanin rief Arnault am Donnerstag dazu auf, "Konsequenzen zu ziehen", wenn die Justiz Hinweise darauf habe, dass er selbst oder seine Beschäftigten mit dem Fall zu tun hätten. Auch der Parteichef der konservativen Republikaner, Bruno Retailleau, forderte den Rücktritt von Arnault. 

Einer der parlamentarischen Mitarbeiter von Arnault, Jacques-Elie Favrot, räumte seine Beteiligung an den gewaltsamen Zusammenstößen in Lyon ein. Er bestritt aber, für die tödlichen Fußtritte gegen Deranque verantwortlich zu sein.

Unterdessen rief der Bürgermeister von Lyon, Grégory Doucet, dazu auf, einen für Samstag geplanten Trauermarsch für den getöteten Deranque zu verbieten. Er verwies auf das Risiko neuer Gewaltausbrüche. Im westfranzösischen Lyon kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen rechts- und linksextremen Gruppen. 

Die Familie des Getöteten rief ihrerseits zu "Ruhe und Zurückhaltung" auf. Sie verurteile jegliche Aufrufe zur Gewalt, sagte ihr Anwalt Fabien Rajon dem Sender RTL. 

Deranque hatte nach Informationen des Investigativmediums "Mediapart" im vergangenen Mai an einem Neonazi-Marsch in Paris teilgenommen. Er habe zudem am Boxtraining einer rechtsextremen Gruppe teilgenommen, die sich die "Selbstverteidigung der Weißen" auf die Fahnen geschrieben und antifaschistische Gruppen zu ihren Gegnern erklärt hatte. 

Gut drei Wochen vor den Kommunalwahlen in Frankreich sorgt der Fall für Aufruhr in den politischen Lagern: Rechte und rechtspopulistische Politiker werfen der Partei LFI vor, ein Klima der Gewalt befördert zu haben. Während die Linkspopulisten eine "Instrumentalisierung" des Falls anprangern, wenden sich die gemäßigten Linksparteien zunehmend von ihnen ab und schließen Wahlbündnisse mit der LFI aus.

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