Umwelt

Hitzewelle in Deutschland: RKI schätzt mindestens 5100 hitzebedingte Todesfälle

  • AFP
  • In UMWELT
  • 9. Juli 2026, 16:24 Uhr
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Menschen kühlen sich Ende Juni in Köln ab Bild: AFP

Die Hitzewelle Ende Juni in Deutschland hat nach RKI-Berechnungen tausende zusätzliche Todesfälle verursacht. Die extrem hohen Temperaturen führten geschätzt bisher zu etwa 5100 hitzebedingten Sterbefällen. Die Zahlen könnten aber noch höher sein.

Die Hitzewelle Ende Juni in Deutschland hat nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) tausende zusätzliche Todesfälle verursacht. Nach Schätzungen auf Grundlage eines Hitzemodells führten die extrem hohen Temperaturen zu mindestens etwa 5100 hitzebedingten Sterbefällen in Deutschland, wie das RKI am Donnerstag in Berlin mitteilte. 

Die Auswirkungen der Extremhitze könnten sogar noch größer sein. Wie das Statistische Bundesamt zuvor berichtete, lagen die Sterbefälle in der Hitzewoche vom 22. bis 28. Juni hochgerechnet um 30 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre. In dieser Woche starben in Deutschland demnach etwa 23.700 Menschen. Das waren laut Statistikbehörde etwa 6800 mehr als noch zwei Wochen zuvor. Übersterblichkeit bedeutet, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben, als normalerweise zu erwarten wäre.

Die Ende Juni gemessenen Temperaturen erreichten vielerorts um die 40 Grad Celsius, an einigen Orten wurden Hitzerekorde von über 41 Grad erreicht. Das gab es in Deutschland in dieser Stärke bisher nicht. 

Dem RKI zufolge waren die vergangenen Hitzeperioden sehr unterschiedlich ausgeprägt. 2018 und 2019 waren die Jahre mit den bislang höchsten hitzebedingten Sterbefallzahlen mit jeweils 8400 beziehungsweise 6900 Hitzetoten. In den Jahren 2022 bis 2025 gab es geschätzt jeweils rund 2600 bis 4900 Hitzetote.

Hitze führt sehr selten unmittelbar zum Tod, in den meisten Fällen ist es die Kombination aus hohen Temperaturen und bereits bestehenden Vorerkrankungen wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- oder Nierenerkrankungen, die zum Tod führt. Daher wird Hitze auf dem Totenschein nicht als die Todesursache angegeben und taucht auch nicht in der Todesursachenstatistik auf. Das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle wird daher mit Hilfe von statistischen Methoden durch den Vergleich der Zahl von Sterbefällen in Sommerwochen mit und ohne Hitze berechnet.

"Hitze ist ein stiller Killer und wir stehen erst am Anfang", warnte Mauricio Vargas von der Organisation Greenpeace. Er forderte mehr Hitzeschutz in den Kommunen. Die Politik dürfe nicht untätig bleiben, sondern "muss dem Sterben durch Hitze endlich Einhalt gebieten". 

Die Geschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz, rief die Bundesregierung auf, "jetzt schnellstmöglich einen Hitze-Krisengipfel einzuberufen, um wirksamen Hitzeschutz verbindlich zu verankern und vulnerable Gruppen zu schützen". Dabei drang sie auf konkrete Maßnahmen: "Wir brauchen mehr Bäume, Stadtgrün und entsiegelte Flächen, um Menschenleben vor den direkten Folgen der eskalierenden Klimakrise zu retten."

"Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie belastend Hitze für unseren Alltag geworden ist", erklärte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD). "Wenn sich Städte und Gemeinden aufheizen, Schulhöfe und Spielplätze in der prallen Sonne leer bleiben und insbesondere Kinder, Familien und ältere Menschen unter den hohen Temperaturen leiden, wird klar: Klimaanpassung ist keine Zukunftsaufgabe mehr, sie ist jetzt notwendig."

Der Grünen-Gesundheitsexperte Johannes Wagner wertete die hohe Zahl der Hitzetoten als "politisches Totalversagen". "Seit Jahrzehnten ist klar, dass die Klimakrise tödlich ist. Und trotzdem tritt die Bundesregierung den Klimaschutz mit Füßen und lässt die Menschen mit den Folgen allein", warf er Union und SPD vor. Wagner forderte einen "nationalen Hitzeschutzplan, der diesen Namen verdient".

"Diese Zahlen sind erschütternd", erklärte der Linken-Umweltpolitiker Lorenz Gösta Beutin. "Hitze ist längst kein abstraktes Zukunftsrisiko mehr, sondern eine tödliche Realität, auch in Deutschland", erklärte der Vorsitzende des Umweltausschusses des Bundestages. Er drang neben Hitzeaktionsplänen für Kommunen auch auf "einen besseren Schutz von Beschäftigten bei extremer Hitze sowie Investitionen in klimaresiliente Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Schulen".

Das Bauministerium meldete auch eine hohe Nachfrage aus den Kommunen nach Mitteln aus dem Bundesprogramm "Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel". Der angemeldete Förderbedarf übersteige hier die zur Verfügung stehenden Mittel deutlich, hieß es in einer Mitteilung.

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