Der Sitz im Auto ist eine ganz wesentliche Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Opel war einer der Vorreiter bei der Entwicklung ergonomisch korrekter Autobestuhlung.
Der Sitz im Auto ist eine ganz wesentliche Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Denn unsere Wirbelsäule ist im Grunde keine Säule sondern eine Kette, deren 24 Wirbel von Muskeln, Bändern und Faszien zusammengehalten werden. Sie ist beweglich und mag es nicht, lange in der gleichen Position zu verharren. Zumal die Bindeglieder zwischen den Wirbeln, die Bandscheiben, Selbstversorger sind was Nährstoffe angeht. Durch die Bewegung werden sie zusammengedrückt und wieder entlastet und dabei saugen sie sich wie ein Schwamm mit den benötigten Stoffen aus dem umliegenden Gewebe voll.
Eine lange Fahrt im Auto ist also nicht der Wirbelsäule liebster Zeitvertreib. Vor allem dann nicht, wenn der Sitz nichts taugt. Die Aktion Gesunder Rücken e.V. hat aus diesem Grund ein Prüfsiegel entwickelt, das dem Autofahrer klar signalisiert: Dieser Sitz ist ergonomisch korrekt und unterstützt das Kreuz eher als dass er ihm schadet. Opel gehört zu den langjährigen Unterstützern der Rückenwächter, seit 2003 bereits bauen sie AGR-geprüfte Sitze in ihre Autos ein. Der Minivan Meriva hat das von Spezialisten geprüfte Gestühl bereits serienmäßig an Bord. In anderen Modellen werden maßvolle 295 Euro Aufpreis gefordert und dafür gibt es gleich Fahrer- und Beifahrersitz zusammen.
Eine korrekte Sitz-Ergonomie ist aber mehr als nur ein Wohlfühlfaktor. Die Sicherheit gewinnt ebenfalls. Denn bei einem Crash entfalten Gurte und Airbags ihre volle Wirkung nur, wenn die Passagiere in der richtigen Position sitzen. "Deswegen ist es hier besonders wichtig, das Rückgrat in einer möglichst idealen Stellung aufrechtzuhalten", sagt Susan von der Heyden, Physiotherapeutin und Gesundheitsexpertin. Mit ihrer Firma Motiv Gesundheit hilft sie Unternehmen, Arbeitsplätze und Fahrzeuge ergonomisch richtig zu gestalten.
Die richtige Sitzhaltung entlastet die Bandscheiben und vermeidet außerdem Verspannungen. Die sind für den Autofahrer ebenfalls mehr als schädlich, denn sie verringern die Durchblutung vor allem des Gehirns, das immerhin 20 Prozent der gesamten Körperenergie benötigt. "Nur ein Gehirn, das ausreichend gut mit Sauerstoff versorgt ist, kann konzentriert und schnell reagieren", sagt die Physiotherapeutin. Mangelhafte Konzentration, eine verzögerte Reaktionszeit sowie Müdigkeit bis hin zum Sekundenschlaf oder ein erschöpftes Gefühl bei der Ankunft sind die Folge. Eine gute Körperhaltung ermöglicht überdies mehr Bewegungsfreiheit in den Schultern oder in der Halswirbelsäule und damit einen größeren Blickwinkel.
Neben Opel bieten Mercedes-Benz, Hyundai und VW AGR-Sitze an. Bei den Rüsselsheimern arbeitet ein Team mit mehr als 100 Experten daran, die Sitze kontinuierlich weiterzuentwickeln. Es berücksichtigt auch die sich verändernden Körpermaße der heutigen Gesellschaft. Die Menschen sind zwar größer, aber auch breiter als noch vor etwa zehn Jahren. "Unsere heutigen Sitze sorgen dafür, dass Personen jeglicher Größe die optimale Haltung einnehmen können, egal ob groß, klein, dick oder dünn", sagt der für die Sitzkonstruktion verantwortliche Andrew Leuchtmann, Leiter Sitzentwicklung bei Opel.
Das beginnt schon mit der Positionierung des Sitzes im Fahrzeug. Die Opel-Experten haben den serienmäßigen Astra-Komfortsitz weiter optimiert und ihn tiefer positioniert. "Das kommt gerade größeren Fahrern mit einem sportlichen Fahrstil sehr entgegen", erläutert Leuchtmann. Dank 65 Millimeter Verstellweg in der Höhe ist zudem für kleinere Fahrer eine ebenso optimale Sitzposition garantiert. Mit der Memory-Funktion des optionalen Premium-Ergonomie-Sitzes kann diese auf Knopfdruck sogar gespeichert werden. Ideal für Flottenfahrzeuge mit wiederkehrenden Fahrern oder Paare, die den Wagen abwechselnd nutzen.
Neben weiteren Kriterien stellt die AGR grundsätzlich folgende Anforderungen für die Erteilung eines Prüfsiegels. Die Lendenwirbelstütze muss vierfach verstellbar sein (vorwärts, rückwärts, hoch und runter), der Sitz in Neigung, Höhe und Tiefe verstellbar sein und Seitenwangen sowie eine ausreichend hohe Rückenlehne haben. Besonders komfortabel sind klimatisierte Sitze. "In belüfteten Sitzen werden kleine Ventilatoren eingebaut, die die feuchte Luft vom Fahrer weg saugen, sodass dieser nicht ins Schwitzen gerät", erklärt Andrew Leuchtmann. Und zum ultimativen Wellness-Mobil macht eine Massage-Funktion der Sitze das Auto. Auch hierauf ist Opel stolz, diese Verwöhntechnik nun auch in der Kompaktklasse anzubieten.
Michael Kirchberger