Jahrzehntelang wurden Psychedelika verteufelt und als verrückt machende Substanz abgetan. Nun endlich lichtet sich der Dschungel aus Hörensagen und 60er Jahre-Klischee und man erkennt schließlich das Potential von Psychedelika für Medizin, Wissenschaft und alternative Therapien. Wie die Forschung sich dem Thema heute widmet und wie Psychedelika in der Psychotherapie und alternativen Behandlungskonzepten eingesetzt wird, betrachten wir hier.
Forschungsstand noch ausbaufähig
Man hat nun begonnen, sich mit der Wirkweise und Nutzung von Halluzinogenen auseinanderzusetzen. Allen voran spielt hier der Stoff Psilocybin eine maßgebliche Rolle. Das ist die Substanz, die für die halluzinogene Wirkung in den sogenannten Magic Mushrooms verantwortlich ist. Zwar gibt es noch viel zu wenige aussagekräftige klinische Studien, die sich mit Psilocybin oder auch MDMA unterstützte Therapien befassen, dennoch haben Österreich und vorrangig die USA zumindest gute erste Schritte gemacht, Behandlungskonzepte zu erweitern und das Bewusstsein für psychedelisch verstärkte Therapien zu öffnen.
Erste Erfolge - PTBS
Ganz besonders interessant ist der Einsatz von Psilocybin für Therapien der posttraumatischen Belastungsstörung. Menschen, die an der PTBS leiden, sind von ihren vergangenen traumatischen Erfahrungen so stark vereinnahmt, werden regelmäßig wieder von den Ereignissen gedanklich angezogen und können keinen emotionalen Abstand gewinnen. Das wirkt sich in ihrem Alltag so aus, dass sie immer wieder von kleinen Auslösern in die Gefühle der Angst, Panik, Depression und Ausweglosigkeit hineingezogen und davon gespült werden. Viele PTBS'ler konnte so über Jahre kein funktionierendes Beziehungs- oder Arbeitsleben aufbauen. Man kann sich vorstellen, wie hoch ihr Leidensdruck ist: Nichts bleibt unversucht, vor allem alternative, neue Behandlungen sind reizvoll. Hier konnten erste Erfolge der Substanz Psilocybin erzielt werden.
Entstigmatisierung
Auf der Suche nach neuen Instrumenten zur Bewältigung langjähriger Krankheit haben Wissenschaftlicher hier vor allem auch die Hürde zu nehmen, gesellschaftliche Konventionen und Voreingenommenheit zu überwinden. So gehe es beim Thema halluzinogene Drogen vor allem auch immer um Entstigmatisierung und Aufbrechen von Klischees, um in Studien voranzukommen. Ähnlich verhält es sich bei LSD. Immer wieder stoßen Vordenker und Wissenschaftler an ewiggestrige Vorurteile über die hochwirksamen Halluzinogene, was den Forschungsprozess beschränkt. Chemical Collective befasst sich deshalb mit der Aufklärung über die bewusstseinserweiternden Substanzen sowie ihrem Nutzen für Patienten. So kann ebenfalls auf der Homepage des Unternehmens die Substanz 1V-LSD online erworben werden - vorausgesetzt, dass diese für Forschungszwecke verwendet wird.
Psilocybin und Depressionen
Britische Forscher fanden im Jahr 2016 heraus, dass bei nur zweimaliger Gabe der Substanz Psilocybin in einem Zeitfenster weniger Tage, sich depressive Symptome bei fast allen Probanden zurückgezogen hatten. Durch die psychedelische Wirkung stellten sich die Symptome bei der Hälfte der Patienten sogar bis zu 6 Monate vollständig ein: Ein großer Erfolg. Man schlussfolgerte, dass Psilocybin auf das Gehirn wie eine Art Pausen- oder Neustart-Button wirkt, was sich bei schwersttraumatisierten Menschen als große Erleichterung darstellte und gerade therapieresistenten Patienten eine Chance gab. Da herkömmliche Antidepressiva heute kein Garant mehr für Besserung darstellen, feiert die Forschung nun nach 50 Jahren ein Comeback von Psychedelika auf dem Therapiemarkt als alternative Unterstützung.
Keine Heilsversprechen, keine Wunderpillen
Psychedelisch verstärkte Therapien befinden sich aber noch im Anfangsstadium, so der Professor für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät der University of California, Charles S. Grob. Er erforschte jahrzehntelang die Wirkweise von Halluzinogenen und warnt vor verfrühtem Heilsversprechen. Eine enge Verzahnung von Therapie, Gesprächen und Medikament sei notwendig, ohne kann alles in Irrglauben, Placebo und Fantasie abdriften. Außerdem kann es zu Substanzmissbrauch und Sucht kommen, sofern die Forschungslage nicht stetig auf ihre Sicherheitsparameter und Fehler hin überprüft würde. Es gibt also noch einiges zu tun.
Eigenmedikation zuhause
Es verwundert jedenfalls nicht, dass in dieser noch unvollständigen klinischen Studienlandschaft viele PTBS-Patienten begannen, sich mittels Psychedelika selbst zu medikamentieren, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. Immer öfter hören wir von Patienten, die ihre sozialen Ängste, Antriebsprobleme und Impulskontrolle auf diese Weise in den Griff bekommen konnte.
Mehr Forschung, weniger Ängste
Es sei daher dringend notwendig, Forschungsprojekte, klinische Studien und Aufklärung in diese Richtung weiter voranzutreiben, finanziell zu unterstützen und fortzusetzen, um die bisherigen ersten Erkenntnisse zu psychedelisch verstärkten Therapien weiter zu untermauern. Nur so lässt sich die heutige Volkskrankheit Nummer 1 - die Angststörung - auf lange Sicht bewältigen.
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