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Prozess um Social-Media-Sucht: Instagram und Youtube sollen drei Millionen Dollar zahlen

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Youtube-Logo auf einem Smartphone Bild: AFP

In einem wegweisenden Prozess um Social-Media-Sucht hat ein US-Gericht die Onlineplattformen Instagram und Youtube zu Schmerzensgeld in Millionenhöhe verurteilt. Sie sollen der Klägerin insgesamt drei Millionen Dollar (rund 2,6 Millionen Euro) zahlen.

In einem wegweisenden Prozess um Social-Media-Sucht hat ein US-Gericht die Onlineplattformen Instagram und Youtube zu Schmerzensgeld in Millionenhöhe verurteilt. Sie sollen der Klägerin insgesamt drei Millionen Dollar (rund 2,6 Millionen Euro) zahlen, wie die Geschworenen am Mittwoch in Los Angeles entschieden. Die heute 20-jährige Klägerin hatte den Unternehmen vorgeworfen, sie als Minderjährige abhängig gemacht und ihr schwere psychische Schäden zugefügt zu haben.

Auf die Instagram-Mutter Meta entfallen demnach 2,1 Millionen Dollar Entschädigungszahlung, auf Youtube 900.000 Dollar. Die Geschworenen hielten es in ihrem Grundsatzurteil mit zehn zu zwei Stimmen für erwiesen, dass beide Unternehmen bei Gestaltung wie Betrieb ihrer Plattformen fahrlässig handelten. Die Konzerne hätten gewusst oder wissen müssen, dass ihre Dienste eine Gefahr für Minderjährige darstellen und hätten die Nutzer nicht ausreichend vor den Risiken gewarnt, hieß es in der Begründung des Grundsatzurteils.

Der Meta-Konzern von Mark Zuckerberg erklärte sich mit dem Urteil nicht einverstanden. Er prüfe alle juristischen Möglichkeiten. 

Der Musterprozess könnte den Weg für Bußgelder öffnen sowie für eine Klagewelle weiterer mutmaßlicher Opfer: In den USA werfen hunderte Nutzerinnen und Nutzer den Internet-Plattformen vor, sie abhängig gemacht und damit für Depressionen, Essstörungen oder Psychiatrie-Aufenthalte verantwortlich zu sein. In manchen Fällen geht es sogar um Suizid.

Die kalifornische Klägerin, deren Name mit Kaley G. M. angegeben wurde, hatte bei ihrer Aussage Ende Februar von ihrem Suchtverhalten und dadurch ausgelösten Angstzuständen und Depressionen berichtet. "Jedes Mal, wenn ich versuchte, mich davon zu lösen, funktionierte es einfach nicht", sagte sie. Selbst wenn sie auf Instagram gemobbt worden sei, sei sie auf der App geblieben. "Wenn ich nicht online war, hatte ich einfach das Gefühl, etwas zu verpassen." Nach Angaben ihres Anwalts war Kaley G.M. bis zu 16 Stunden pro Tag auf Instagram.

Der Anwalt Mark Lanier argumentierte vor Gericht, Internetkonzerne wie Meta und oder der Youtube-Mutterkonzern Google hätten mit Social-Media-Apps "eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt". Ihnen sei es darum gegangen, sie möglichst lange auf den Plattformen zu halten, um die Werbeeinnahmen zu steigern. 

Instagram-Chef Adam Mosseri bestritt dagegen ein Suchtpotenzial der App. In dem gut einmonatigen Prozess sagte auch Meta-Chef Zuckerberg aus. Er räumte Probleme bei der Alterskontrolle der Nutzerinnen und Nutzern ein, die nach den Instagram-Regeln mindestens 13 Jahre alt sein sollen. "Ich habe mir immer gewünscht, wir hätten das früher geschafft", sagte Zuckerberg vor den Geschworenen.

Ursprünglich richtete sich das Zivilverfahren auch gegen Tiktok und Snapchat. Beide Plattformen erzielten vorab jedoch außergerichtliche Einigungen.

In Deutschland und vielen anderen Länder wird über Social-Media-Verbote für Kinder diskutiert. Als weltweit erster Staat hat Australien die Nutzung für junge Menschen unter 16 Jahren untersagt.

In den USA nutzen die Opfer-Anwälte in dem Streit um Onlinemedien Strategien wie in der Prozesswelle in den 1990er und 2000er Jahren gegen die Tabakindustrie. Wegen gesundheitlicher Auswirkungen des Rauchens wie Krebserkrankungen hatten damals zahlreiche Konsumenten erfolgreich gegen Tabakkonzerne geklagt. Sie hatten argumentiert, die Unternehmen machten mit einem schädlichen Produkt auf Kosten der Gesundheit ihrer Kunden Geld.

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