Zehntausende Menschen haben in Frankreich erneut gegen die Regierung demonstriert. Ein Jugendbündnis sprach von 250.000 Teilnehmern. In Paris verhinderte die Polizei eine verbotene Kundgebung der Gelbwestenbewegung.
In Frankreich haben am Samstag erneut zehntausende Menschen gegen die Regierung demonstriert. Nach Angaben eines Bündnisses von Jugendorganisationen gingen landesweit 250.000 Menschen auf die Straße, davon 75.000 in Paris. In der Hauptstadt verhinderte ein großes Polizeiaufgebot zudem eine verbotene Kundgebung der Gelbwestenbewegung nahe dem Präsidentenpalast.
In Paris zogen die Demonstrierenden weitgehend friedlich von der Place de la République zur Place de la Nation. Unter ihnen waren zahlreiche Schüler und Studenten. "Ich bin hier, um die Polizeigewalt und die ausbleibenden Antworten auf unsere Forderungen anzuprangern", sagte die 16-jährige Schülerin Emna der Nachrichtenagentur AFP.
"Heute geht es darum, den Druck aufrechtzuerhalten", erklärte die Studentenvertreterin Sabrine Kharbach. Es war der vierte Samstag in Folge mit landesweiten Protesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungswesen.
Auf der Place de la Concorde nahe dem Élysée-Palast versuchten sich unterdessen rund hundert Anhänger der Gelbwestenbewegung zu versammeln. Die Polizei hatte die Kundgebung verboten und umstellte die Demonstrierenden. Zwei Vertreter der Bewegung, Benjamin Ball und Azelma Sigaux, wurden festgenommen.
In Lyon setzte die Polizei Tränengas gegen mehrere hundert Teilnehmer einer nicht genehmigten Kundgebung ein. In Clermont-Ferrand demonstrierten nach Behördenangaben rund 600 Menschen friedlich. Landesweit waren etwa 70.000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz. Die Behörden wollten gewaltsame Ausschreitungen wie am 17. Oktober verhindern.
Die neue Protestwelle folgte auf landesweite Streiks und Demonstrationen am Donnerstag, an denen sich nach offiziellen Angaben 575.000 Menschen beteiligt hatten. Die Protestbewegung war im September aus Schülerprotesten hervorgegangen und hatte sich anschließend auf Gewerkschaften und andere gesellschaftliche Gruppen ausgeweitet.
Premierminister Sébastien Lecornu will am Montag bei einer Sozialkonferenz mit Gewerkschaften und Arbeitgebern über Löhne und Kaufkraft beraten. Anschließend sind Gespräche mit Schüler- und Studentenorganisationen geplant. "Die Tatsache, dass am Montag Verhandlungen beginnen, bedeutet nicht, dass die Mobilisierung enden muss", sagte der CGT-Gewerkschafter Vincent Gautheron.
Gewerkschaften aus dem Bildungsbereich haben bereits für Dienstag zu einem weiteren Streik- und Protesttag aufgerufen. Die acht größten Gewerkschaften wollen am Montagabend über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.
